 klingt, als das Waldhorn. Ich
habe seinem feinen Gehör viel zu danken; nichts lernt man leichter, als hören.
    Ich hänge von Gott ab, und dränge mich recht, von ihm abzuhängen. Mein
Gefühl überzeugt mich, dass ich als ein Mitwesen in der Reihe der erschaffenen
Dinge, und zwar unter ihm stehe. Da darf der Pastor nicht gleich kreischen, er
hätte als Monarchenfreund die Schlacht gewonnen! Der liebe Gott lässt einem jeden
so seine Freiheit, als man sie nur in Kurland haben kann. Ich bleibe in diesem
Abhange noch immer ein curischer Edelmann, kann tun und lassen, was ich will;
allein da Gott ein lieber, guter Gott ist, so ist mein Gefühl der Abhängigkeit
die Mutter der Ehrfurcht, der Liebe für ihn, den Schöpfer, und des Gehorsams für
seinen heiligen und allezeit guten Willen und dessen Gesetze; dies heißt mit
andern Worten, ich kann von Herzen sagen: Abba, mein Vater, dein Wille geschehe
auf Erden, wie im Himmel! - Ich tue ihn gerne, dein Gesetz hab' ich in meinem
Herzen! Gottes Willen gern tun, heißt: Gott dienen!
                                     * * *
    Ich schwöre nicht beim Himmel, dass dich der Donner erschlüge! nicht bei der
Erde, dass du den Hals brächest! Der Himmel ist Gottes Stuhl, die Erde sein
Fussschemel.
    Ich liebe Gott mit einer besonderen Liebe, über alles und in allem; meinen
Nächsten liebe ich, wie meine ehrliche Haut.
                                     * * *
    So denken hab' ich gelernt. Nicht unmittelbar von Gott, sondern mittelbar
von Gottesmenschen, von solchen, die sein Bild an sich tragen, im besonderen
Sinn. Diese Gottesverkündiger, getrieben vom heiligen Geist, dürfen nur den
Wachsstock in mir anzünden, der schon da ist. Jeder hat seinen fertigen
Wachsstock bei sich. Wie er gleich lichterloh brennt!
    Wenn ich nicht einmal weiß, wie ich im Mutterleibe zum Menschen geronnen,
wie ich Ich geworden, wie kann ich wissen, wie die Welt, wie Himmel und Erde
entstanden und zum Stehen und Gehen gebracht sind?
    Vom Pastor - in - hab' ich viel gelernt. Es ist zuweilen höchst notwendig,
nicht übereinstimmend zu denken. Die Wahrheit hat keinen größeren Feind und
keinen größeren Freund, als die Übereinstimmung. Es kommt nur auf Umstände an.
Der älteste von den Gottesmenschen, von den Gefühlanzündern, hat uns die
Erschaffung der Welt gemalt. Ein schönes Stück! Die neuen Maler sind Klecker
gegen ihn. Es hängt vor meinen Augen zum ewigen Andenken das Bild eines Mannes,
der außer göttlicher Kraft viel Menschenkenntnis besaß und sein Voll von Grund
aus kannte. So wie aber die Maler ihren Namen in einer Schattenstelle gewöhnlich
anbringen, so auch er
