 Christus, der
Herr, selbst sich beschneiden lassen und das Osterlamm gegessen; die Jünger
auch, obgleich sie Juden waren, am Sabbat Ähren zu lesen und Esel aus dem
Brunnen zu ziehen von ihrem Meister die Erlaubnis erhielten; so darf doch der
Christ kein so großer Ceremonienmeister sein. Ceremonialgesetz ist bei allen,
selbst den geistigen Dingen; indessen sind wir in der christlichen Freiheit, wie
es selbst bei unsern christlichen Zeremonien am Tag ist, denen ich indessen von
Herzen gut bin. Der Christ hat den Geist von allen Religionen, das unsterbliche
Wesen, so Christus durchs Evangelium ans Licht gebracht hat. Lasst uns also
tolerant sein, wie unser teurer Graf, der es ist, wenn er gleich - Saal und
Kirche unterscheidet. Und in allem, fuhr ich fort, dem Geist, dem Wesen
nachspüren, bis ein Hirt und eine Heerde wird. - Hosianna, gelobet sei diese
Zeit, die da kommt im Namen des Herrn! Hosianna ihr in der Höhe! Das
Christentum, sagt' ich, ist die einfachste Religion auf Gottes weitem Erdboden,
so wie der Geist einfach ist. Sie kann Körper annehmen, wie in der Schrift Engel
Körper angenommen haben, und wie man von sehr guten Menschen, die gut wie Seelen
sind, sagen könnte: sie hätten Körper angenommen. Freilich adoptirten Engel
keine andere, als menschliche, als solche Körper, die sie im Griff hatten, die
ihnen die nächsten waren. - Die christliche Religion hat keinen Tempel, kein
Haus, kein Obdach nötig, sondern überall, wo Luft und Sonne ist, wo wir sind
und weben, ist Gottes Stuhl, und die ihn anrufen, dürfen nicht das Gesicht
drehen und wenden. Gott ist überall. Im Morgen und in Mitternacht. Wer recht
tut, ist ihm angenehm. Dies war (obgleich es hohe mystische, nur wenigen
verstehliche Toleranz ist) dem bloß gewöhnlichen und für's Haus toleranten
Prediger so gefunden, dass er mit einer Dreistigkeit schloss, die dem Grafen ein
wenig zu hart auffiel.
    Zeremonien, sagt' er, sind des Herzens Härtigkeit wegen, und da, nach
Ortsumständen, die ersten, die besten!
    Nicht also, lieber Gevatter, versetzte der Graf, etwas untolerant.
Zeremonien, lieber Gevatter, sind Kleider der Sache. Kleiden denn alle Farben
alle Gesichter? Es ist ein Aufputz, das Kolorit - das wahrlich seinen Meister
erfordert. - Wenn es also recht wäre, müssten Christen christliche Zeremonien
haben. Wie stimmet Christus mit Belial? hätt' ich bei einem Haar gesagt; allein
Belial und ein Heide ist zweierlei. Die Folge dieses Spruchs passt besser. Was
hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?
    Ich gestehe es gern, dass mein
