 gegenwärtig ist, da der
Erdenkloss zum letztenmal nach seinem in der Welt behaupteten Menschenwert und
Rang behandelt wird. Ich will mich hier nicht anführen, denn wäre es möglich
gewesen, mit Minen auch ohne lebendigen Otem zu leben und zu sein - gern! - Der
Graf, dem dieser Seufzer unangenehm schien, half mir wieder in die Rede, wie
folgt:
    Ich leugne es nicht, dass wir Menschen vielleicht bei dieser Gelegenheit eine
Dosis Großmut räuchern wollen. Der Erbe zeigt, er habe, unerachtet der
Erblasser nicht mehr da ist, noch Liebe für ihn und mehr als für den Nachlass. -
Der Sohn will die Pflicht der Erkenntlichkeit erfüllen gegen den, der ihm sein
Bild anhing, das auch noch im Tode nicht ohne übereinstimmende Ähnlichkeit ist.
Die Tochter will beweisen, dass sie eine tugendhafte Mutter gehabt, das heißt mit
andern Worten, dass sie selbst tugendhaft sei. Mine weinte bei dem Grabe ihrer
Mutter meint - und ihrer Mutter wegen. Dem Grafen war dieser Eingriff wieder
nicht am rechten Orte, denn ich konnte den Namen Mine, der mir mehr als alle
Namen ist, nicht aussprechen, ich kann es noch nicht, ohne aus dem Koncept zu
kommen. Diessmal half der Graf mir ein. - Das alles leugne ich nicht, indessen
bin ich der lebendigen Zuversicht, dass, weil alle Nationen so einstimmig in
puncto puncti sind, es sei die Nachexistenz der Seele die Ursache dieses Hebens
und Tragens, das man mit ihrer Hülle vornimmt. Man ehrt sie im Körper, so wie
den Mann im Bilde, und will das, was ein Geist getragen hat, in einer
Ehrenrüftkammer aufhängen, so wie man Harnische in der Kirche aufhängt, obgleich
sie nicht alle wider die Türken gebraucht worden. Man will das an andern tun,
was man selbst an sich zu seiner Zeit getan wissen will. Man fürchtet ein
schlechtes Kompliment in der andern Welt, wenn man gegen den Entseelten diese
Pflichten versäumt hat. Wahrlich, es liegt sehr was Menschliches in dem
Begräbnis, und ich bin ihm sehr gut - sehr. Der Graf konnte nicht umhin mich
herzlich zu umarmen, mehr konnte er nicht.
    Die Flüche, womit man in alten Zeiten diejenigen bedrohte, die Hand an die
Todtenhäuser legen würden, wie sehr beweisen sie den Wert, den man auf Staub,
Erde und Asche legt! Wer dies Grabmal stört, soll die Seinigen all' überleben.
Schrecklicher Fluch! Er ruht auf mir, sagte der Graf. Ich lenkte ab und sagte
einen Fluch anderer Art: den sollen die Manes sauer ansehen! - Ist das nicht
schrecklicher als wenn es an den Wegen heißt: wer hier Tabak raucht, soll sechs
Jahr in die Festung! denn dies heißt mutatis
