! Aber woher weißt Du, dass dies bei Akanten nicht eben
derselbe Fall war? Woher weißt Du, dass Eine Begebenheit in zween Fällen zwo
verschiedene Absichten hatte? - Das kannst Du nicht beweisen; Du kannst gar
nicht beweisen, dass eine Absicht dabei war, Du kannst -
    Freund, unterbrach ihn Fromal, darf ich auch meine Meinung sagen? - Ich
erblicke in den Begebenheiten der Erde und jedes einzelnen Menschen einen
Zusammenhang, der sie so zusammenkettet, dass eine wirkt, und die andre gewirkt
wird, um wieder zu wirken. Dies ist das einzige, was ich mit Gewisheit sehe, und
wenn ich daran zweifeln wollte, so würde ein Stein, der auf meinen Kopf fällt,
mich lebhaft davon überzeugen: es ist eine Bemerkung, die eine leichte
Aufmerksamkeit macht, und sie hat, deucht mich, die nämliche Evidenz, die das
Zeugnis unsrer Sinnen gibt. Dieser bemerkte Zusammenhang soll einen Namen
bekommen: richte ich meinen Blick bloß auf die Notwendigkeit und
Unwiderstehlichkeit dieses Zusammenhangs, dass ein Glied in der langen Kette der
Begebenheiten genau an das andre schließt, dass ich keins herausnehmen kann, ohne
die Ordnung und Folge des Ganzen zu ändern und also eine andre Kette zu machen,
dass durch lange Vorbereitungen eine günstige und widrige Begebenheit, der Sturz
vom Pferde und der Gewinnst eines großen Looses seit dem Anbeginne der Dinge
schon gewiss war und izt, wenn sie geschieht, unvermeidlich ist: so nennen wir
den Zusammenhang der Dinge, von dieser Seite betrachtet - Schicksal, Falum.
Betrachten wir ihn aber auf einer andern, in so fern eine jede Wirkung die
abgezielte Absicht von dem Urheber der Dinge bei der Anordnung aller
vorhergehenden Ursachen sein konnte: so nennen wir es Vorsehung. In beiden
Fällen bleibt der Zusammenhang derselbe, gleich notwendig und unausweichbar,
nur der Name und die Vorstellungsart wird geändert. In dem ersten Gesichtspunkte
ist die Welt ein von dem Urheber der Welt veranstaltetes Spiel der natürlichen
Kräfte: er warf Schwerkraft, Centralkraft, elektrische, magnetische und andre
Kräfte der Körperwelt zusammen, er warf denkende und wollende Vermögen,
Neigungen und Leidenschaften in die Geister, und gab einer jeden Kraft eine
bestimmte Regel für ihr Wirkungen. Das Spiel begann: Ideen, Neigungen,
Leidenschaften kämpften unter einander, Körper stritten mit Körpern: die
Maschine der Welt ist ein perpetuum mobile, wo Stoß auf Stoß, Wirkung auf
Wirkung unausbleiblich folgen, der Gerechte und Ungerechte von einem Steine
zerquetscht wird, wenn er gerade vorübergeht, indem ihn seine Schwerkraft zur
Erde herabzieht, wo der Böse und Gute von der Kanonenkugel weggerissen wird,
wenn sie ihn auf ihrem Wege antrift - kurz, wo aus dem verwirrten streitenden
Haufen der Weltkräfte eine Wirkung nach der andern hervorsteigt, und jede der
ihr angewiesnen
