 zu predigen. Verschiedene Prediger versuchten dies zu
verschiedenen Zeiten mit Beifall der Zuhörer, bis endlich durch einen
ausdrücklichen Befehl des Oberkonsistoriums das Predigen in Versen verboten
ward.
35 Diese harmlose Religionspartei unterscheidet sich rühmlich durch sehr
ansehnliche Almosen (zuweilen von einigen tausend Talern), die sie gibt, und
zwar mehrenteils so unbekannterweise, dass man die Geber nur mutmaßen kann.
36 Fig. 1.
37 Fig. 2.
38 Matt. XXIII, 5.
39 Fig. 2.
40 Fig. 3.
41 Fig. 4.
42 Fig. 5.
43 Fig. 6.
44 Unter andern fanden in einer gewissen Kirche, in welcher wechselsweise
luterisch, und reformiert gepredigt ward, beide Gemeinden Ursache, sich über
diese Neuerung zu beklagen. Es war bisher die Gewohnheit gewesen, dass der
Prediger, ehe er in die Sakristei trat, außen neben der Tür derselben seinen Hut
anhängte, woraus die Zuhörer gleich abnehmen konnten, an welcher Konfession die
Reihe wäre. Nachdem aber der Hut seine symbolische Kraft verloren hatte, so
konnten die irregemachten Kirchkinder nunmehr weiter an keinem Kennzeichen
unterscheiden, ob die Predigt, die sie hörten, luterisch oder reformiert sei.
45 Fig. 7.
46 Fig. 8.
47 Diese Meinung des Sebaldus, welche von vielen eifrigen Gottesgelehrten als
nach Ketzerei schmeckend verdammt werden möchte, hegte auch ein sehr
verständiger und gottseliger Mann. Er sagt: »So ist es im Heidentume den
Epikureern, und im Judentume den Sadducäern ergangen. Wobei mir ein öfters
eingekommener Gedanke wieder einfällt: was doch die Ursache sein müsse, dass
unser Heiland, der bei allen Gelegenheiten die Pharisäer so hart anlässet, weit
gelinder mit den Sadducäern umgeht, die doch, weil sie die Auferstehung und ein
anderes Leben, wo das Gute belohnt und das Böse bestraft wird, das Dasein der
Geister, mithin auch gute und böse Engel leugneten, den Grund aller Religion
umstiessen. Ich erinnere mich nicht, irgendwo etwas Gründliches darüber gelesen
zu haben. Sollte vielleicht daraus zu schließen sein, dass in Gottes Augen die
Heuchelei, der geistliche Hochmut und der verstockte Aberglauben für größere
Fehler angesehen werden, als die bloßen Irrtümer des Verstandes, wenn sie auch
noch so wichtige Gegenstände betreffen?« (Siehe von Bünau. »Betrachtungen über
die Religion«, Leipzig 1769, in Oktav, 1. Buch, S. 90)
48 Wenn die Chronologie, welche in unserer wahren Geschichte das Hauptwerk ist,
nur auf irgendeine Art, sollte es auch durch eine Hypothese sein, sich
vereinigen ließe, so würde im übrigen diese ganze Beschreibung vollkommen auf
den verehrungswürdigen Herrn v. Rochow auf Rekahn passen, welcher durch seine
Schulen und durch seinen Versuch eines Schulbuchs für Landleute alles das oben
Erzählte und
