 hätte.
Wenn Sebaldus über diese Gegenstände zu reden gehabt hätte, so würde er von
Vieh, Äckern, Wiesen und Gärten gesprochen haben; denn darin bestand das
Vermögen seiner Bauern, so wie der allermeisten Bauern in der Welt. Dass
Sebaldus' Vaterland zwar fruchtbar, aber ohne bares Geld gewesen, kann der Leser
schon aus der Art schließen, wie der ehrliche Hieronymus seinen Buchhandel
treiben musste.
    Ebenso heißt es S. 4: »Ich will euch jetzt nichts davon sagen, dass der
Reichtum öfters eurer Seele höchst schädlich ist, dass er eine Versuchung ist zu
allem Bösen und dass unser weisester Lehrer sagt, dass die Reichen nicht in das
Reich Gottes kommen werden. Daran will ich euch jetzt nicht erinnern, weil ich
unlängst von der Schädlichkeit des Reichtums ausführlich zu euch geredet habe.«
Dies ist ein klarer Beweis, dass Sebaldus nicht der Verfasser dieser Predigt sein
könne; denn man kann sich für ihn sicher verbürgen, dass er ein ungeschmacktes
Postillengeschwätz von der Schädlichkeit des Reichtums seinen Zuhörern nie werde
vorgeredet haben. Er war vielmehr beständig beflissen, seinen Bauern zu
predigen, dass sie früh aufstehen, ihr Vieh fleißig warten, ihren Acker und
Garten aufs beste bearbeiten sollten, alles in der ausdrücklichen Absicht, dass
sie wohlhabend werden, dass sie Vermögen erwerben, dass sie reich werden sollten.
Sebaldus wusste nur allzuwohl, dass die niederdrückende Dürftigkeit, welche
notwendig stattaben muss, wenn der Bauer nicht wohlhabend sein soll, eine
fruchtbarere Mutter der Barberei und verderbter Sitten ist als der bäurische
Reichtum, der bloß eine Folge des Fleißes sein kann, wer daher den Bauern von
der Schädlichkeit des Reichtums predigen wollte, ihnen ausdrücklich die Faulheit
empfehlen müsste. Dagegen weiß man, dass Erasmus, seitdem er selbst reich geworden
war, den erbaulichen Gemeinort von der Nichtigkeit und Schädlichkeit des
Reichtums sehr oft im Munde geführt habe, einen Gemeinort, über den sich in der
Tat am zierlichsten reden lässt, wenn man an nichts Mangel leidet.
    Noch eine andere Stelle gibt die stärkste Vermutung an die Hand, dass niemand
anders als Erasmus Notanker der Verfasser dieser Predigt sein könne. S. 6 heißt
es: »Es entspringt viele Uneinigkeit unter euch daher, dass ihr gemeiniglich mit
euren Schwiegereltern unter einem Dache wohnet. Es ist mir leid, dass ich es
sagen muss, aber leider ist es durch die Erfahrung gegründet, dass nur sehr wenige
Eheleute in Einigkeit leben, wenn sie ihre Schwiegereltern bei sich im Hause
haben. Ihr würdet euch öfters nicht zanken, wenn nicht zuweilen eines der
Schwiegereltern Öl ins Feuer gösse. Die Schwiegereltern glauben, man könne sie
nicht zu gut halten und ihnen nicht dankbar genug sich beweisen. Sie sind
überzeugt, in allen Stücken alles besser zu wissen als die
