 mehr hiervon, und zur Sache!«
    Diesem Befehl zu Folge fuhr der Doktor also fort - -
                          Der Herausgeber an die Leser
Lücken, geneigte Leser, sind in allen Arten der menschlichen Kenntnisse,
besonders in Geschichts-Erzählungen, eine allzu gewöhnliche Sache, als dass es
euch befremden sollte, hier in der Erzählung des so genannten Philosophen
Danischmend eine Lücke, und zwar, wie wir nicht bergen, eine beträchtliche Lücke
zu finden.
    Diese Lücke ist nicht etwann von der Art derjenigen, welche von den
Gelehrten Hiatus in Manuscriptis genannt zu werden pflegen. Die Handschrift, aus
welcher wir die Geschichte von Scheschian gezogen haben, liegt vollständig vor
uns, und es kam bloß auf uns an, ob wir sie so vollständig, als der lateinische
Übersetzer sie geliefert, mitteilen wollten oder nicht.
    Vielleicht betrügen wir die Neugierde vieler Leser gerade da, wo sie am
wenigsten geneigt sind, es uns zu vergeben. Und wirklich hätten wir kein
Bedenken tragen sollen, die Geschichte der Religion des alten Scheschians, und
der Veränderungen welche sich unter einigen Königen mit ihr zugetragen, der Welt
ohne Lücken vorzulegen, wenn uns das Beispiel des lateinischen Übersetzers, und
die Gründe, womit er sein Verfahren beschönigt hat, hinlänglich geschienen
hätten, die Nachfolge desselben zu rechtfertigen.
    Er behauptete nämlich: Die weisesten Männer wären von jeher der Meinung
gewesen, dass es einer von den wichtigsten Diensten, welche man der wahren
Religion leisten könne, sei, wenn man dem Aberglauben und der Tartüfferei (ihren
schädlichsten Feinden, weil sie die Maske ihrer Freunde tragen) diese Maske
abziehe, und sie in ihrer natürlichen Ungestalt darstelle. Bloß aus diesem
Grunde hätten gelehrte und ehrwürdige Schriftsteller aus den älteren Zeiten des
Christentums, ein Laktantius, ein Arnobius, ein Augustinus und andere, sich eine
ernstliche Angelegenheit daraus gemacht, die Ausschweifungen und Betrügereien
der heidnischen Priesterschaft (sogar nicht ohne Gefahr durch Bekanntmachung der
ärgerlichsten Greuel schwachen Gemütern anstößig, zu werden) an das helleste
Licht hervor zu ziehen. Sie hätten diese Gefahr als ein kleines, zufälliges und
ungewisses Übel angesehen, welches gegen den großen Nutzen, den sie der
Gottseligkeit und der Tugend von jener Entlarvung der religiösen Betrügerei
versprochen, in keine Betrachtung komme. Es ist wahr (setzt er hinzu), Leser,
welche mehr Witz als Unterscheidungskraft besitzen, könnten Ähnlichkeiten, und
boshafte Leute Anspielungen zu finden glauben, wo keine sind; aber, wenn uns
diese Besorgnis aufhalten sollte, welche Geschichte würde man schreiben dürfen?
Eine jede wohl geschriebene Geschichte kann, in einem gewissen Sinne, als eine
Satire betrachtet werden; und ich fordere den weisesten und unschuldigsten unter
allen Sterblichen heraus, uns ein aufrichtiges Gemälde der Gesetze, Sitten,
Meinungen und Gebräuche, von welchem Lande in der
