 uns gesagt, schöne Lili, das sind wir ihnen
schuldig, in einem unendliche Mal verbindlichern Grade schuldig, als wir es sind
unsre Spielschulden zu bezahlen. Aber wenn dies auch nicht wäre, so sind wir es
dem Staate, dem ganzen Scheschian schuldig. Denn es gibt kein anderes Mittel
(ich fordre alle Ihre Staatskünstler, Goldmacher und Projektmacher heraus, mir
ein andres zu nennen), den allgemeinen Wohlstand eines großen Reiches auf einen
festen Grund zu setzen als dieses. Wenn das Landvolk Ursache hat zufrieden zu
sein, so verlassen Sie Sich wegen des übrigen auf die Zauberei der Natur. Sie
hat für unverdorbene Sinne Reizungen, deren Macht unsern ausgearteten
unbegreiflich ist. Der Landmann zieht die angenehmen Gefühle, womit sie seine
Arbeiten teils verwebet, teils belohnet, darum mit nicht desto weniger Wollust
in sich hinein, weil er ihnen keinen Namen geben, oder sie nicht so zierlich
beschreiben kann, wie unsre Dichter, die sie vielleicht nur durch die
Anstrengung ihrer Einbildungskraft kennen. Welche Behaglichkeit gießt, indem er
an die Arbeit geht, ein schöner Morgen und die aufgehende Sonne über alle seine
Glieder aus! Wie erquickt ihn ein frischer, mit den Düften abgemähter Kräuter
und Feldblumen durchwürzter Wind! Wie angenehm ist ihm der Schatten eines Baumes
in der glühenden Mittagshitze! Wo ist der Reiche, der die teuersten Weine mit
der Hälfte der Wollust in sich schlürfe, wie der lechzende Schnitter seinen Krug
mit säuerlicher Milch? Versuchen Sie es einmal, schöne Lili, führen Sie diesen
gesunden, kernhaften, wohl gebildeten jungen Bauer, diesen echten Sohn der Natur
, mitten an den Hof; zeigen Sie ihm alle Ihre Herrlichkeiten, Ihre Pracht, Ihre
Feste, Ihre Schauspiele; aber verbergen Sie ihm auch den ewigen Zwang, den
Überdruss, die lange Weile, die Gefahren dieser blendenden Maskerade nicht; - wie
bange wird ihm ums Herz sein, bis er wieder in seiner Hütte ist! und mit welcher
Ungeduld wird er von Ergetzlichkeiten, die ihm beschwerlicher sein werden als
die mühseligste Arbeit, zu seinen Schnitterfesten, zu seiner Weinlese, und zu
seinen Reihentänzen zurück fliegen! Wie selig wird er in Vergleichung mit dem
unsrigen seinen Zustand preisen! Sie sehen, schöne Lili, wie wenig das Glück der
zwei besten Dritteile von Scheschians Einwohnern dem Sultan unserm Herrn kosten
wird. Ich verlange nichts für sie, als Sicherheit bei ihrem Eigentum, und Schutz
vor Unterdrückung; die Natur hat alles übrige auf sich genommen. -Gut, sagen
Sie, was werden wir damit gegen die Folgen des Luxus gewinnen? - Sehr viel. Es
ist schon viel, wenn wir vier Millionen von sechsen vor der Ansteckung verwahrt
haben. Aber dies ist noch nicht alles. Die Vorteile davon werden sich auf mehr
als Eine
