 ergetzende Gegenstände in Fallen zu locken: so
beweisen die Gründe des Imans zu viel. Denn die reizendsten Schilderungen können
unmöglich auch nur die Hälfte der Wirkung hervorbringen, welche die besagten
Gegenstände selbst tun. Hatte hingegen die Natur wohl gemeinte Absichten, welche
nur durch Leichtsinn, falschen Geschmack, oder verderbte Grundsätze von den
meisten vereitelt werden: so ist es löblich und nützlich, sie durch solche
Schilderungen, wie diejenigen, die dem Iman zu missfallen das Unglück haben, auf
den Pfad der Natur zurück zu führen, und zu einem weisen Genuss ihrer Wohltaten
einzuladen.
    Zweitens beweisen seine Gründe zu wenig. Denn wenn auch die ganze Welt mit
Gemälden von glücklichen Inseln und glücklichen Menschen angefüllt würde, so
sind zehen an eines zu setzen, dass die Leidenschaften, welche zu allen Zeiten
die Beweger der sittlichen Welt waren, ihr Spiel nichts desto weniger
fortspielen werden. Die Begierde nach einem glücklichen Leben wird, in jedem
Staate der auf die Ungleichheit gegründet ist, die Begierde nach Reichtum, und
der Reichtum die Begierde nach Ansehen, Größe und willkürlicher Gewalt
hervorbringen. Diese Leidenschaften werden, je nachdem die Grundverfassung, oder
die zufällige Beschaffenheit der Staatsverwaltung, sie mehr oder weniger
begünstiget, eine Menge Talente ausbrüten; und das Verlangen nach dem
angenehmsten Genuße des Lebens, von welchem der Iman eine allgemeine
Untätigkeit besorgt, wird gerade das Gegenteil wirken; es wird uns emsige Leute,
Erfinder, Verbesserer, Virtuosen und Helden geben so viel und vielleicht mehr
als wir vonnöten haben. Die idealischen Schilderungen der Wollüste der Sinne,
der Einbildungskraft und des Herzens werden also, vermöge der Natur der Sache,
den großen Zweck mächtig befördern helfen, der Sr. Ehrwürden so sehr am Herzen
liegt. Man wird sich, wie ich gar nicht zweifle, so lange man sich an solchen
Gemälden ergetzt, in diese glücklichen Inseln, Schäferwelten, oder wie man sie
nennen will, hinein wünschen, wo das angenehmste Leben so wenig kostet: aber man
wird des Wünschens bald überdrüssig sein; und - ohne zu hoffen, dass man
unversehens einen schönen Muschelwagen mit sechs geflügelten Einhörnern vor
seiner Türe finden werde, um den Wünscher in die idealischen Welten überzuführen
- wird man sich gefallen lassen, diejenigen Mittel zum glücklich leben
anzuwenden, die in unsrer Gewalt sind, und in die Verfassung der Welt
eingreifen, worin wir uns befinden. Die Schlüsse des Imans beweisen also zu viel
und zu wenig, und folglich - gar nichts, welches das dritte war, was ich zeigen
wollte. Doch, wir wollen den schlimmsten Fall setzen, der sich als eine Folge
der Dichtungen oder Schilderungen, wovon die Rede ist, denken lässt: gesetzt, dass
sie die Wirkung hätten, alle Völker, die zwischen dem Ganges und Indus wohnen
