 bewährteres Mittel, als die Geschichte der Weisheit und der
Torheit, der Meinungen und der Leidenschaften, der Wahrheit und des Betrugs, in
den Jahrbüchern des menschlichen Geschlechts auszuforschen. In diesen getreuen
Spiegeln erblicken wir Menschen, Sitten und Zeiten, entblößt von allem
demjenigen, was unser Urteil zu verfälschen pflegt, wenn wir selbst in das
verwickelte Gewebe des gegenwärtigen Schauspiels eingeflochten sind. Oder,
wofern auch Einfalt oder List, Leidenschaften oder Vorurteile geschäftig gewesen
sind uns zu hintergehen: so ist nichts leichter, als den falsch gefärbten Duft
wegzuwischen, womit sie die wahre Farbe der Gegenstände überzogen haben.
    Die echtesten Quellen der Geschichte der menschlichen Torheiten sind die
Schriften derjenigen, welche die eifrigsten Beförderer dieser Torheiten waren.
Der Missbrauch, den sie von der Bedeutung der Wörter machen, betrügt unser Urteil
nicht: sie mögen immerhin widersinnige Dinge mit der gelassensten
Ernsthaftigkeit erzählen, selbst noch so stark davon überzeugt sein, oder
überzeugt zu sein scheinen; dies hindert uns nicht, lächerlich zu finden was den
allgemeinen Menschenverstand zum Toren machen will. Immerhin mag ein von sich
selbst betrogener Schwärmer die Natur der sittlichen Dinge verkehren wollen, und
lasterhafte, ungerechte, unmenschliche Handlungen löblich, heroisch, göttlich
nennen, rechtmäßige und unschuldige hingegen mit den verhasstesten Namen belegen:
nach Verfluss einiger Jahrhunderte kostet es keine Mühe, durch den magischen
Nebel, der den Schwärmer blendete, hindurch zu sehen. Kon-Fu-Tsee könnte ihm ein
Betrüger, und Lao-Kiun ein weiser Mann heißen: sein Urteil würde die Natur der
Sache, und die Eindrücke, welche sie auf eine unbefangene Seele machen muss,
nicht ändern; der Charakter und die Handlungen dieser Männer würden uns
belehren, was wir von ihnen zu halten hätten.
    Aus diesem Grund empfehlen uns die ehrwürdigen Lehrer unsrer Nation die
Geschichte der älteren Zeiten als die beste Schule der Sittenlehre und der
Staatsklugheit, als die lauterste Quelle dieser erhabenen Philosophie, welche
ihre Schüler weise und unabhängig macht, und, indem sie das was die menschlichen
Dinge scheinen von dem was sie sind, ihren eingebildeten Wert von dem
wirklichen, ihr Verhältnis gegen das allgemeine Beste von ihrer Beziehung auf
den besonderen Eigennutz der Leidenschaften, unterscheiden lehrt, uns ein
untrügliches Mittel wider Selbstbetrug und Ansteckung mit fremder Torheit
darbietet; einer Philosophie, in welcher niemand ohne Nachteil ganz ein
Fremdling sein kann, aber welche, in vorzüglichem Verstande, die Wissenschaft
der Könige ist.
    Überzeugt von dieser Wahrheit widmen Sie, Bester der Könige, einen Teil der
Stunden, welche die unmittelbare Ausübung Ihres verehrungswürdigen Amtes Ihnen
übrig lässt, der nützlichen und ergetzenden Beschäftigung, Sich mit den
Merkwürdigkeiten der vergangenen Zeiten bekannt zu machen, die Veränderungen der
Staaten in den Menschen, die Menschen in ihren Handlungen, die Handlungen in den
Meinungen
