 entgegen.
Denn nun folgte eine Reihe namenloser Könige, die das Ruder der Regierung,
welches sie selbst zu führen unvermögend oder unlustig waren, bald einer Bande
zusammen verschworner Minister, bald einem unersättlichen Günstlinge, bald einer
ausschweifenden Buhlerin, bald einem herrschsüchtigen Priester, bald dem ersten
besten der sich dessen bemächtigen wollte, überließen. Tifans öffentliche
Anstalten gerieten zusehens in Verfall, seine wichtigsten Gesetze kamen nach und
nach außer Übung, und wurden zuletzt ein bloßer Gegenstand akademischer
Streitfragen; und was etwa von seinen Einrichtungen noch beibehalten wurde,
erhielt unter den Händen der Priester unvermerkt eine so veränderte Form und
Richtung, dass der reine wohltätige Geist des Stifters gänzlich dabei verloren
ging, und vielmehr gerade das Gegenteil von dem heraus kam, was er dadurch hatte
bewirken wollen.
    Wenn die Priesterschaft von Scheschian, wie ich neulich bereits erwähnte,
unter die letzten gehörte, die dem einbrechenden Schwall der Sittenverderbnis
nachgaben; so darf ich nicht vergessen, zur Steuer der Wahrheit hinzu zu setzen:
dass es schwer gewesen wäre den Zeitpunkt zu bestimmen, worin diese ehrwürdigen,
exemplarischen Lehrer des Tifanischen Gesetzbuchs die Bemerkung machten, dass man
mit dem äußerlichen Scheine der Weisheit und Heiligkeit beim Volk ungefähr eben
so weit, und oft noch weiter komme als mit der Realität, und dass das erstere den
Neigungen und Leidenschaften der menschlichen Natur ungleich bequemer sei.
Genug, die scheschianischen Bonzen machten diese Bemerkung ungefähr um eben die
Zeit, oder bald nachher, da der großmütige Akbar sich ihres guten Willens, durch
die vorerwähnten ansehnlichen Vermehrungen ihres Anteils an den Gütern dieser
Welt, versichert hatte; und nachdem sie einmal gemacht war, währte es nicht
lange, dass mit der Sinnesart und den Tugenden der ehmaligen Priester von Tifans
Schöpfung auch die letzte Stütze seiner Gesetze verschwand, und diese Klasse von
Staatsbürgern durch die Heuchelei und den blendenden Schein, womit sie ihre
unbändige Herrschsucht und ihre übrigen Laster zu verdecken wusste, dem Reiche
wieder eben so schädlich wurde, als ihre Vorfahren unter Azor und Isfandiar.
    Indessen, da es damit vermöge der Natur der Sache langsamer herging, und die
Priester ihr Spiel mehr als andere verbergen mussten, gewann der scheschianische
Adel einen starken Vorsprung. Sein Reichtum und sein Ansehen stieg unter jeder
neuen Regierung; er bemächtigte sich aller Civil- und Militärämter, die ihm
Gelegenheit verschaften noch reicher zu werden; er besetzte alle subalterne
Stellen mit seinen Kreaturen, und übte über den Hof selbst eine Art von Tyrannei
aus, die endlich sogar einem der schwächsten unter allen namenlosen Königen
unerträglich zu werden anfing. Dieser König, zu seiner Zeit Tifan der Zweite
genannt, wurde solang er lebte von der Königin seiner Gemahlin, und die Königin
seine Gemahlin« -
    »Wie hieß sie?« fragte Schach-Gebal -
    »Dulika
