 will, ohne
auch die traurige Freiheit Böses zu tun zu behalten.«
    »Vielleicht wird das, was ich in der Folge melden werde, die Zweifel Ihrer
Hoheit auflösen«, erwiderte Danischmend. »Tifan folgte in dieser ganzen Sache
dem Rate des weisen Dschengis. Ohne diesen würde er, aus einem zu weit
getriebenen Misstrauen gegen sich selbst und seine Nachfolger, den größten Fehler
begangen haben, den ein Monarch begehen kann: denn er war im Begriff dem Adel
und dem Volke von Scheschian die gesetzgebende Macht auf ewig abzutreten.
    Der Himmel verhüte (sagte Dschengis, da sie sich mit einander über diese
Sache besprachen), dass Tifan aus der Verfassung seines Vaterlandes ein
unförmliches Mittelding von Monarchie und Demokratie mache, welches, eben darum
weil es beides sein will, weder das eine noch das andere ist. Die Nation von
Scheschian muss den König als ihren Vater, und sich selbst, in Beziehung auf den
König, als unmündig betrachten. Will sie mehr sein, will sie das Recht haben den
König einzuschränken, ihm und dem Staat Gesetze vorzuschreiben, und ihre
wichtigsten Angelegenheiten selbst zu besorgen, so muss sie sich gar keinen König
geben. Wer sich selbst regieren kann, hat keinen Vormund, keinen Hofmeister
vonnöten. Erkennt sie aber den König für ihren Vater, und sich selbst als Nation
für unmündig, welche Ungereimteit wär es, gerade den wichtigsten Teil der
Staatsverwaltung ihrer Willkür überlassen zu wollen! Welche Ungereimteit, es
auf die Weisheit oder auf das gute Glück des Unmündigen ankommen zu lassen, was
für Gesetzen, unter welchen Bedingungen, und wie lang er gehorchen wollte! Es
geziemt also allein dem Könige, zugleich der Gesetzgeber und der Vollzieher der
Gesetze zu sein. Die Regierung eines Einzigen nähert sich durch ihre Natur
derjenigen Teokratie, welche das ganze unermessliche All zusammen hält. Wenn wir
uns ganz richtig ausdrücken wollen, so müssen wir sagen: Gott ist der einzige
Gesetzgeber der Wesen; - der bloße Gedanke, Gesetze geben zu wollen, welche
nicht aus den seinigen entspringen, oder mit den seinigen nicht zusammen stimmen
, ist der höchste Grad des Unsinns und der Gottlosigkeit. Die Natur und unser
eigenes Herz sind gleichsam die Tafeln, in welche Gott seine unwandelbaren
Gesetze mit unauslöschlichen Zügen eingegraben hat. Der Regent, als Gesetzgeber
betrachtet, hat, wofern er diesen ehrwürdigen Namen mit Recht führen will,
nichts andres zu tun, als den Willen des obersten Gesetzgebers auszuspähen, und
daraus alle die Verhaltungsregeln abzuleiten, wodurch die göttliche Absicht,
Ordnung und Vollkommenheit mit ihren Früchten, der Harmonie und der
Glückseligkeit, unter seinem Volke am gewissesten und schicklichsten erlangt
werden können.
    Hat er mit diesen erhabenen Nachforschungen das besondere Studium seines
eigenen Volkes, des Temperaments, der Lage, der
