), so sind in einem
solchen Falle die Leute, deren Amt dies ist, desto größere Verbrecher, wenn sie
darin saumselig sind.«
    »Vermutlich fehlten sie mehr aus Ungeschicklichkeit als aus Bosheit«, sagte
die Sultanin.
    »Ich würde selbst nicht strenger von ihnen geurteilt haben«, erwiderte
Danischmend, »wenn es weniger gewiss wäre, dass diese Herren (wiewohl sie ihre
wahre Absicht unter der gewöhnlichen Phraseologie von Menschenliebe,
Patriotismus und Uneigennützigkeit verbargen) insgesamt kein höheres Augenmerk
hatten, als ihr Glück zu machen; ein Zweck, den sie am gewissesten zu erhalten
glaubten, wenn sie keine Gelegenheit versäumten, sich durch eine wenig
bedenkliche Gefälligkeit in das Herz des künftigen Tronerben einzustehlen.
    So fehlerhaft indessen die Erziehung dieses Prinzen war, so würde doch der
Schade, den sie ihm zufügte, nicht unheilbar gewesen sein, wenn er nicht das
Unglück gehabt hätte, einem gewissen Kamfalu in die Hände zu fallen, der ein
Bösewicht aus Grundsätzen, aber der angenehmste Bösewicht war, den man jemals
gesehen hatte. Ich werde, um dem Charakter dieses Menschen sein gehöriges Licht
zu geben, genötigt sein, eine kleine Digression in die Gelehrtengeschichte der
damaligen Zeit zu machen.
    Es lebte damals ein Schriftsteller, namens Kador, der sich von dem großen
Haufen der moralischen Schreiber seiner Zeit durch eine Art von Antipathie gegen
alles Aufgedunsene und Gezierte in Empfindungen, Begriffen und Sitten, und
überhaupt durch eine merkliche Entfernung von der Kunstsprache sowohl als von
den Maximen jenes großen Haufens unterschieden hatte. Es ist natürlich, dass die
besagten Schreiber mit diesem Unterschied um so weniger zufrieden waren, weil
das Publikum zwischen ihren Schriften und den seinigen noch einen andern
Unterschied machte, der ihrer Eitelkeit nicht gleichgültig sein konnte. Man las
nämlich seine Werke mit einem Vergnügen, welches immer die Begierde zurück ließ
sie wieder zu lesen; da hingegen die ihrigen ordentlicher Weise nur zum
Einpacken der seinigen gebraucht wurden. Sie hätten mehr oder weniger als
gewöhnliche Menschen sein müssen, wenn sie dieses nicht sehr übel hätten finden
sollen. Sie suchten den Grund davon nicht in der schlechten Beschaffenheit der
übel zubereiteten und unverdaulichen Nahrung, welche sie dem Geist ihrer
Zeitgenossen vorsetzten, sondern (wie natürlich war) in der Verdorbenheit des
menschlichen Herzens, welchem Kador, ihrem Vorgeben nach, auf die unerlaubteste
Weise schmeichelte. Denn der scherzende Ton, worin er zuweilen sehr ernsthafte
Wahrheiten sagte, und die launige Freimütigkeit, womit er der Heuchelei die
Maske abnahm und der Verblendung die Augen öffnete, waren in den ihrigen
untrügliche Zeichen seines bösen Willens gegen die Tugend. In der Tat dachte
Kador von den Tugenden der Sterblichen nicht ganz so günstig, als diejenigen,
welche selbst für Muster angesehen werden wollen, zu wünschen Ursache haben. Er
leitete die
