 durch die Natur meines
Herzens hervorgebracht. »Ich bin es überzeugt«, sagte er, »auch sein Sie ruhig!
es gehört alle meine Beobachtung dazu, dieses feine Gewölke zu sehen. Andere
sind nicht so aufmerksam und erfahren, als ich es bin.« Unsere Unterredung wurde
durch Miss Emma unterbrochen, und Mylord Rich trägt seitdem Sorge, dass er mich
nicht zu genau betrachtet.
                            Madam Leidens an Emilia
Sagen Sie, meine Emilia, woher kommt es, dass man auch bei der besten Gattung
Menschen eine Art von eigensinniger Verfolgung eines Vorurteils antrifft. Warum
darf ein edeldenkendes, tugendhaftes Mädchen nicht zuerst sagen, diesen würdigen
Mann liebe ich? Warum vergibt man ihr nicht, wenn sie ihm zu gefallen sucht und
sich auf alle Weise um seine Hochachtung bemüht?18
    Den Anlass dieser Fragen gab mir Lord Rich, dessen Geist alle Fesseln des
Wahns abgeworfen zu haben scheint und der allein der wahren Weisheit und Tugend
zu folgen denkt. Er bezeugt eine Art Widerwillen gegen die zärtliche Neigung der
Miss Emma, von welcher er doch allezeit mit der größten Achtung sprach, ihren
Verstand, ihr Herz rühmte, alle ihre Handlungen seines Beifalls würdigte und den
ihrigen liebte. Nun setzt er der sanften Glut, die seine Verdienste in ihrem
Herzen angefacht haben, nichts als die kälteste Heftigkeit entgegen; und gewiss
aus dem nämlichen Eigensinne fängt er an, mir, die ich außer meiner Hochachtung
für seine Kenntnisse ganz gleichgültig gesinnt bin, eine anhaltende zärtliche
Aufmerksamkeit, die mir Zwang antut, zu bezeugen. Ich unterdrücke zehnmal die
Aussprüche einer Empfindung oder eines Gedankens, nur um seinen Beifall zu
vermeiden und nicht einen Tropfen Öl wissentlich in das anglimmende Feuer zu
gießen. Denn, da ich nicht geneigt bin, seine Liebe anzunehmen, warum sollte ich
sie meiner weiblichen Eitelkeit zu gefallen vergrößern? Wir werden heute nach
Mittag zu ihm gehen, um einem neuen Versuch von Besäung der Äcker mit einer
Maschine zuzuschauen. Meine liebe Lady ist gar zu gerne dabei, wenn etwas
umgegraben oder gepflanzet wird; jeder Tag, sagt sie, führt mich näher zu der
Vereinigung mit unserer mütterlichen Erde, und ich glaube, dass dieses meine
innerliche Neigung gegen sie bestärkt. Ich würde, liebste Emilia, einen
glücklichen Tag gehabt haben, wenn nicht der Zufall wider mich und den guten
Lord Rich gearbeitet hätte. Der Pfarrer war da, ich kam neben ihm zu sitzen, als
uns Lord Rich von dem Feldbau und der Verschiedenheit der Erde und der nachher
erfoderlichen Verschiedenheit des Anbaues redte. Sein Ton war edel, einfach und
deutlich; er erzählte uns von den vielfachen Empfindungen, wozu der schlechte
Ertrag der Güter die Landleute dieser und jener Nation getrieben hätte und wie
weit ihre Mühe belohnt worden sei. Da er
