; helfen Sie mir zurechte.
    Hier ist mein Gespräch mit der Witwe.
    »Vier rechtschaffene Männer bewerben sich um Ihre Gunst, woher kommt es,
teuerste Frau von C-, dass Sie so lange wählen?«
    »Ich wähle nicht; ich will meine Freiheit genießen, die ich durch so viele
Bitterkeit erkaufen musste.«
    »Sie haben nicht unrecht, Ihre Freiheit zu lieben und auf alle Weise zu
genießen, der edelste Gebrauch davon wäre aber doch derjenige: aus freiem Willen
jemanden glücklich zu machen.«
    »O, das Glück, wovon Sie reden, ist meistens nur in der feurigen Phantasie
eines jetzt brennenden Liebhabers und verschwindet, sobald die erloschene Flamme
ihr Zeit gibt, sich wieder abzukühlen.«
    »Dieses, meine geliebte Frau von C-, kann wahr sein, wenn die Liebe eines
jungen Mannes allein durch die Augen entstanden ist und an der Seite des
blühenden Mädchens lodert, deren unausgebildeter Charakter diesem Feuer keine
dauerhafte Nahrung geben kann. Aber Sie, die wegen Ihrem Geist, wegen Ihrem
edlen Herzen geliebt werden, Sie sind sicher, es unauslöschlich zu machen.«
    »Meine Verdienste hätten also die Eigenschaft des persischen Naphta; aber
in welchem meiner Liebhaber liegt das Herz, welches ein gleichdauerndes Feuer
aushalten könnte?«
    »In jedem; denn Liebe und Glückseligkeit sind der unverzehrbare Stoff,
woraus unsere Herzen gebaut sind.«17
    »Jeder hat aber auch eine eigene Idee von der Glückseligkeit; ich könnte
also bei meiner zwoten Wahl wieder just das Herz treffen, dessen Begriffe von
Glückseligkeit nicht mit meinem Charakter übereinstimmten, und da verlören wir
beide.«
    »Ihre Ausflucht ist fein, aber nicht richtig. Zehn Jahre, welche zwischen
der ersten und letzten Wahl stehen, haben durch viele Erfahrungen Ihren
Einsichten die Kraft gegeben, die Verschiedenheit der Personen und Umstände zu
beurteilen und besonders die Gewalt zu bemerken, mit welcher die letztere Sie in
Ihre erste Verbindung hineingezogen.«
    »Wie genau Sie alles hervorsuchen. Aber sagen Sie, liebe Madam Leidens, wen
würden Sie wählen, wenn Sie an meiner Stelle wären?«
    »Den, von dem ich hoffte, ihn am meisten glücklich machen zu können.«
    »Und dies wäre in Ihren Augen -«
    »Der liebenswürdige Gelehrte, dessen schöner und aufgeklärter Geist Ihnen
das Vergnügen gewährte, dass nicht die geringste Schattierung Ihrer Verdienste
ungefühlt und ungeliebt blieben, in dessen Umgang der edelste Teil Ihres Wesens
unendliche Vorteile genießen könnte, indem er Sie an der Hand der Zärtlichkeit
durch das weite Gebiet seiner Wissenschaft führen würde, wo sich Ihr Geist so
angenehm unterhalten und stärken könnte. Wie glücklich würde sein gefühlvolles
Herz durch das Vergnügen, durch die Verdienste und die Liebe seiner schätzbaren
Gattin werden; und wie
