, andere glücklich zu
machen, sich selbst aufzuopfern, weil sie unter dieser in die Sinne fallenden
sterblichen Hülle ein edleres Selbst tragen, welches seine angeborene
Vollkommenheit desto herrlicher entfaltet, je mehr jenes animalische Selbst
unterdrückt wird - welche im Glück und im Unglück gleich groß, durch dieses
nicht verdunkelt werden, und von jenem keinen Glanz entlehnen, sondern immer
sich selbst genugsam, Herren ihrer Leidenschaften, und über die Bedürfnisse
gemeiner Seelen erhaben, eine Art von sublunarischen Göttern sind. Ein solcher
Charakter fällt allerdings gut in die Augen, ergötzt den moralischen Sinn (wenn
wir anders dieses Wort gebrauchen dürfen, ohne mit Hutchinson zu glauben, dass
die Seele ein besonderes geistiges Werkzeug, die moralische Dinge zu empfinden
habe) und erweckt den Wunsch, dass er mehr als eine schöne Schimäre sein möchte.
Aber wir gestehen, dass wir, aus erheblichen Gründen, mit zunehmender Erfahrung,
immer misstrauischer gegen die menschlichen - - und warum also nicht gegen die
übermenschlichen Tugenden werden.
    Es ist wahr, wir finden in dem Leben Dions Beweise großer Fähigkeiten, und
vorzüglich einer gewissen Erhabenheit und Stärke des Gemüts, die man
gemeiniglich mit gröbern, weniger reizbaren Fibern und derjenigen Art von
Temperament verbunden sieht, welches ungesellig, ernstaft, stolz und spröde zu
machen pflegt. An jede Art von Temperament grenzen wie man weißt, gewisse
Tugenden; und wenn es sich noch fügt, dass die Entwicklung dieser Anlage zu
demselben durch günstige Umstände befördert wird, so ist nichts natürlichers,
als dass sich daraus ein Charakter bildet, der durch gewisse hervorstechende
Tugenden blendet, die eben darum zu einer völligern Schönheit gelangen, weil
kein innerlicher Widerstand sich ihrem Wachstum entgegensetzt. Diese Art von
Tugenden finden wir bei dem Dion in großem Grade: Aber ihm, oder irgend einem
andern ein Verdienst daraus zu machen, wäre eben so viel, als einem Atleten die
Elasticität seiner Sehnen, oder einem gesunden blühenden Mädchen ihre gute Farbe
und die Wölbung ihres Busens als Verdienste anrechnen, welche ihnen ein Recht an
die allgemeine Hochachtung geben sollten. Ja, wenn Dion sich durch diejenige
Tugenden vorzüglich unterschieden hätte, zu denen er von Natur nicht aufgelegt
war; und wenn er es so weit gebracht hätte, sie mit eben der Leichtigkeit und
Grazie auszuüben, als ob sie ihm angeboren wären - - aber wie viel daran fehlte,
dass er der Philosophie seines Lehrers und Freundes Platon soviel Ehre gemacht
hätte, davon finden wir in den eigenen Briefen dieses Weisen, und in dem
Betragen Dions in den wichtigsten Auftritten seines Lebens die zuverlässigsten
Beweise: Niemals konnte er es dahin bringen, oder vielleicht gefiel es ihm
nicht, den Versuch zu machen, und beides läuft auf Eines hinaus, diese
Austerität, diese Unbiegsamkeit, diese wenige Gefälligkeit im Umgang,
