 Gegenstand von unserer Aufmerksamkeit Meister
bleiben, so bald sich uns ein anderer, so klein und eitel er immer
vergleichungsweise sein mag, darstellt, der einmal im Besitz ist, eine gewisse
Gewalt über unsere Einbildung oder unsere Sinnen auszuüben. Nachdem sie also in
einer dicht mit Jasmin bewachsenen Sommerlaube Platz genommen, so fing Don
Gabriel, nach einer kurzen Vorrede zum Lobe des glaubwürdigen
Geschichtschreibers Paläphatus, diejenige Erzählung an, womit wir den geneigten
Leser in dem folgenden Buche zu unterhalten gedenken.
 
                                 Sechstes Buch
                                 Erstes Kapitel
                       Geschichte des Prinzen Biribinker
In einem Lande, dessen weder Strabo noch Martiniere Erwähnung tun, lebte einst
ein König, der den Geschichtschreibern so wenig zu verdienen gab, dass sie aus
Rachbegierde mit einander einig wurden, so gar seine Existenz bei der Nachwelt
zweifelhaft zu machen. Allein alle ihre boshaften Bemühungen haben nicht
verhindern können, dass sich nicht einige glaubwürdige Urkunden erhalten hätten,
in denen man alles findet, was sich ungefähr von ihm sagen ließ. Diesen Urkunden
zufolge war er eine gute Art von einem Könige, machte des Tages seine vier
Mahlzeiten, hatte einen guten Schlaf, und liebte Ruhe und Frieden so sehr, dass
es bei hoher Strafe verboten war, die bloßen Namen Degen, Flinte, Kanone und
dergleichen in seiner Gegenwart zu nennen. Das merkwürdigste an seiner Person,
(sagen die bemeldten Urkunden) war ein Wanst von einer so majestätischen
Peripherie, dass ihm die größten Monarchen seiner Zeit hierin den Vorzug lassen
mussten. Ob ihm der Beiname des Großen, den er bei seinen Lebzeiten geführt haben
soll, um dieses nämlichen Wanstes oder einer andern geheimen Ursache willen
gegeben worden, davon lässt sich nichts gewisses sagen; so viel aber ist
ausgemacht, dass in dem ganzen Umfange seines Reichs niemand war, den dieser
Beiname einen einzigen Tropfen Bluts gekostet hätte. Wie es darum zu tun war,
dass seine Majestät aus Liebe zu dero Völkern und zu Erhaltung der Thron Folge in
dero Familie, sich vermählen sollte, so hatte die Academie der Wissenschaften
nicht wenig zu tun, vermittelst der gegebenen Größe des königlichen Wanstes und
einiger anderer Verhältnisse die Figur derjenigen Prinzessin zu bestimmen,
welche man würdig halten konnte, die Hoffnungen der Nation zu erfüllen. Nach
einer langen Reihe von academischen Sitzungen wurde endlich die verlangte Figur,
und durch eine große Menge von Gesandtschaften, die an alle Höfe von Asien
geschickt wurden, die Prinzessin ausfindig gemacht, die mit dem gegebenen Modell
übereinstimmte. Die Freude über ihre Ankunft war außerordentlich, und das
Beilager wurde mit so großer Pracht vollzogen, dass sich wenigstens fünfzig
tausend Paare von den königlichen Untertanen entschließen mussten ledig zu
bleiben, um seiner Majestät die Unkosten von dero Hochzeit bestreiten zu helfen.
Der Präsident der Academie, der ungeachtet er der schlechteste Geometer seiner
Zeit
