 hernach setzen Sie sich
jeder an des andern Platz; ich will verloren haben was sie wollen, wenn Sie
nicht eben so dächten wie er, wenn sie er oder in seinen Umständen wären, und so
hat der Streit ein Ende.
    Es ist (wie vermutlich Aristoteles schon vor uns bemerkt haben wird) keine
verdriesslichere Situation in der Welt, als diejenige, worin ein Liebhaber ist,
der einer dritten Person, zumal wenn sie nur wenig empfindlich ist, von seiner
Neigung Rechenschaft geben soll. Donna Felicia und ihr Bruder befanden sich
dermalen beide in diesem critischen Umstande, und, bei einer andern Lage der
Sachen, würde vermutlich ein jedes große Schwierigkeiten gehabt haben, den
Beifall des andern zu erhalten. Ohne diesen glücklichen Zufall hätte Donna
Felicia oder Don Eugenio sich, so viel sie gewollt hätten, auf das tu si hic
esses, berufen mögen; sie würden vermutlich nicht halb so viel damit gewonnen
haben, als jetzt, da sich jedes wirklich an des andern Platz befand; so groß ist
der Unterschied zwischen der Wirkung, die eine flüchtige Abstraction und ein
wahres Gefühl auf uns macht. Es ist wahr, wenn sie einander hätten schicannieren
wollen, oder von der unverschämten Art von Leuten gewesen wären, die allein das
Recht haben wollen Schellen an ihren Kappen zu tragen, so würden sie noch immer
Stoff genug gefunden haben, einander Händel zu machen. Aber bei der guten
Vernunft und gefälligen Gemüts-Art, die sie mit einander gemein hatten, brauchte
nur das Hindernis aus dem Wege geräumt zu werden, das aus der Gleichgültigkeit
des einen Teils natürlicher Weise hätte entstehen müssen. Wir wollen einmal
setzen, Donna Felicia hätte die Nachsicht ihres Bruders nicht für sich selbst
nötig gehabt, wie viele Einwendungen hätte sie nicht gegen seine Liebe zu einem
Mädchen ohne Namen, ohne Vermögen, ja selbst ohne schimmernde persönliche
Eigenschaften, zu einer Person, die vielleicht Ursach hatte über ihre Herkunft
zu erröten, und mit der sich seine Bekanntschaft auf dem Theater angefangen
hatte, einwenden können? - Ich gestehe Ihnen alles ein, würde Don Eugenio
geantwortet haben, alle diese Einwürfe, alles, was sie, meine Freunde und die
Welt nur immer dagegen sagen können, hat mir meine eigene Vernunft tausendmal
gesagt, und so töricht ich ihnen scheinen mag, so bin ich es doch nicht genug,
um nicht ganz deutlich einzusehen, dass Sie und meine Vernunft recht haben; aber
was vermag das alles gegen die Stimme meines Herzens? gegen einen
unwiderstehlichen Zug, von dem ich nicht Meister bin, noch zu sein wünschen
kann? Die Hälfte aller dieser Um stände würde mehr als zulänglich sein eine
gewöhnliche Leidenschaft zu dämpfen. Aber die Gewalt der Sympatie, liebste
Schwester - Man muss sie selbst erfahren haben
