 einbilden, so müsste ichs ja auch so finden.«
    Alles dieses kann ich mit so gutem Rechte sagen wie sie. Es mag nun hier das
Auge, der Verstand oder die Einbildung entscheiden, warum soll ich ihren Augen,
ihrem Verstand, oder ihrer Einbildung mehr zutrauen als den meinigen? Das möcht
ich doch wissen!
    »Das kann ich ihnen gleich sagen. Ich sehe die Sache wie sie ist, und Sie
sind durch den Affect verblendet.«
    Gut, mein Herr, da kommen sie mir gerade, wo ich sie erwartete. Wenn der
Affect zuweilen verblendet (und das tut er nur alsdann, wenn er raset, welches
nie lange dauern kann) so ist hingegen eben so gewiss, dass er ordentlicher Weise
das Gesicht schärft. Wie können sie erwarten, dass der flüchtige, unachtsame und
ungefähre Blick, den die Gleichgültigkeit auf einen Gegenstand wirft, so viel an
ihm entdecken, oder die Grade seines Werts so richtig bemerken soll als der
Affect, der ihn mit der äußersten Aufmerksamkeit von allen Seiten und
Gesichtspuncten betrachtet?
    »Aber die Einbildung, die sich unvermerkt in seine Beobachtungen mischt - -
    Belieben Sie zu bedenken, mein Herr, dass nur ein Narr seine Einbildungen für
würkliche Empfindungen hält; warum wollen sie lieber auf einer Voraussetzung
bestehen, wodurch sie die Gesundheit meines Hirns verdächtig machen, als
gestehen, dass es eine Sache geben kann, die ich besser kenne als sie, oder die,
zum wenigsten, mir aus guten Ursachen anders vorkommt als ihnen?«
    Erhitzen Sie sich nicht, meine Herren, sagte ein dritter, der diesem Streit
zwischen Ich und Du zugehört hatte; Sie könnten noch einen halben Tag
disputieren, ohne dass einer den andern bekehren würde - und wissen sie wohl
warum? - die Ursache ist ganz natürlich - weil sie beide recht haben. Tu si hic
esses sagt Terentz: Sie urteilen wie ein Liebhaber, und so haben sie recht; und
Sie urteilen wie ein Gleichgültiger, und so haben sie auch recht.
    »Aber, mein Herr Schiedsrichter, die Frage ist: Ob er recht habe, ein
Liebhaber von etwas zu sein, das in der Tat - -«
    Ihnen gleichgültig ist, wollen sie sagen?
    »Nein mein Herr - das den Grad der Liebe nicht verdient, den er - -«
    Das ist eben die Frage, die sich nicht ausmachen lässt, mein Herr; Auf diesem
Wege geraten wir wieder in den vorigen Zirkel, und da können wir ewig herum
traben, ohne jemals an ein Ende zu kommen. Ihr Streit ist von einer Art, der nur
durch einen gütlichen Verglich ausgemacht werden kann. Gestehen sie einander
ein, dass Ich gar wohl berechtiget ist, nicht Du zu sein;
