 sind nur deswegen in der Welt unmöglich, weil sie die Menschen nicht
möglich machen wollen. Was wäre leichter, als einen allgemeinen Frieden in
Europa aufzurichten? Alleine der Eroberungs-Geist, die Heldensucht, und der
schier mehrenteils müßige Adel hätte nichts mehr zu tun: man brauchte keine
Soldaten mehr, um Länder zu gewinnen, und Städte zu erobern. Die Kronen wären
auf den Häuptern derer, die sie tragen und auf ihren Nachkommen gesichert. Die
freie Staaten blieben freie Staaten, und ein jedes Volck wurde durch seine
eigene Gesetze regieret.
    Man könnte einen allgemeinen Versamlungs-Ort erwählen, und darin einen
beständigen Friedens-Rat von ungefehr vierzig biss fünffzig Friedens-Richter
unterhalten: diese müssten aus allen denjenigen Völckern, die mit in dem
allgemeinen Bündnüs stünden, durch eine vorhergehende Wahl gezogen werden: sie
müssten die vortrefflichsten Männer ihres Landes sein: und mit einer gründlichen
Vernunft und Einsicht, auch eine gründliche Kenntnüs des Natur- und
Völcker-Rechts verbinden: sie müssten eine genaue Wissenschaft der Europäischen
Staaten und ihrer politischen Verfassung besitzen: sie müssten der vornehmsten
Sprachen kündig, insonderheit aber der Lateinischen vollkommen mächtig sein;
weil in derselben alles müsste tractiret und ausgefertiget werden; sie müssten vor
allen Dingen das Lob der Redlichkeit und einer unverletzlichen Treue haben.
    Diesen zur allgemeinen Friedens-Versamlung bestimmten Ort müssten die in
Europa sich zusammen verbundene Staaten durch ihre Gesandten beschicken, und
durch sie die Angelegenheiten ihrer Höfe vortragen lassen. Dis Friedens-Richter
hingegen müssten solche mit aller Unparteilichkeit untersuchen, rechtsmässig
erörtern; oder in Ermanglung zulänglicher Urkunden und Beweisen, durch gütliche
Vergleiche schlichten. Diese Entscheidungen der Friedens-Richter müssten nach den
meisten Stimmen gelten, und dadurch ihre völlige Rechts-Krafft erlangen.
    Der Ort hierzu müsste groß, wohl erbauet, gesund, wohlgelegen, und mit allen
nötigen Lebens-Mitteln leicht, sicher und wohlfeil zu versehen sein. Auch müsste
derselbe in keinem mächtigen Königreich, sondern in einem freien Staat sich
befinden, und zu einem allgemeinen, niemand in der Welt unterworffenen
Friedens-Platz, von den verbundenen Staaten, besonders darzu erkaufft, und
gleichsam der Hof von ganz Europa werden. Das Regiment und die Policei daselbst
könnte, unter der Aufsicht der Friedens-Richter, ein gemeiner Stadt-Magistrat
versehen.
    Wegen dem Rang der Potentaten und Republicken, und daher rührenden Vortritt
der Gesandten, könnte man sich dahin vergleichen: dass man den ältesten, und in
einer ununterbrochenen Abstammung von Königlichem Geblüt besetzten Tronen, wenn
sie zugleich auch die mächtigsten sind, den Rang vor andern, die entweder nicht
so alt, oder nicht so mächtig sind, gestattete: diejenige, welche wohl eben so
alt, aber nicht so mächtig; oder so mächtig und nicht so alt sind,
