 die neun güldenen Kugeln bekommen, erwählen wieder 40 andere,
die doch insgesamt von unterschiedenen Familien sein müssen, und die zuvor
gedachten neun können sich selbst wieder mit in diese 40 wählen. Dieselben losen
wieder auf die zuvor gedachte Art, dass nur zwölf übrigbleiben. Von diesen zwölf
erwählet der erste ihrer drei und von den übrigen elf ein jeder zwei, dass also
zusammen 25 herauskommen. Diese werden wieder durchs Los bis auf neun
heruntergebracht, welche abermals 45 andere und also ein jedweder fünf ernennet.
Das Los vermindert hernach die Zahl dieser letztern bis auf elf, und diese
wählen endlich 41, welche, nachdem sie vorher durch den Staatsrat konfirmieret
worden, die eigentliche Electores oder Erwähler des Doge sind und wenigstens mit
25 Stimmen den Doge erwählen. Als Kandidaten werden vornehmlich zwei oder drei
Personen von Distinktion aus der Noblesse und der Zahl der Prokuratoren von St.
Marco, die sich um die Republik sonderlich verdient gemacht, im Vorschlag
gebracht. Wer zum Doge erwählet wird, darf diese Würde bei Konfiskation seiner
Güter und Bannisierung seiner Person nicht ausschlagen. Er bleibt es aber nicht,
wie zu Genua, nur auf zwei Jahr, sondern alle sein Lebtage, hat auch nicht
Macht, diese Würde niederzulegen, jedoch hat die Republik Macht, daferne er sich
nicht wohl aufführet, ihn abzusetzen. Des Doge Einkommen ist schlecht und
beläuft sich jährlich nicht höher als 12000 Ducati d'Argento, welche derselbe
aus der Grundzinse des deutschen Hauses und der den deutschen Kaufleuten
erteilten Privilegien zieht, weswegen man mehrenteils lauter reiche Herrn zu
dieser Würde erwählet, denen mehr an der Ehre als an den Revenüen gelegen. Des
Doge Kleidung ist à l'ordinair so beschaffen: auf dem Haupte trägt er eine
Maschine, ich weiß nicht, ob ich selbige eine Krone oder eine Mütze nennen soll;
oben ist dieselbe wie ein Horn gebogen und wird dieserwegen il Korno genannt.
Über den Achseln aber trägt er einen Habit oder Ornat von Pelz mit Hermelinen,
fast auf die Art wie der Kurfürstliche in Deutschland. Stirbt ein Doge, so wird
er auf Kosten der Republik prächtig zur Erde bestattet, jedoch nicht eher, als
bis vorher alle seine Actiones wohl untersucht, vor allen Dingen aber alle
seine Schulden von dessen Erben bezahlet worden. Die Senatores erscheinen bei
dessen Beerdigung in roten Kleidern, um anzuzeigen, dass die Republik unsterblich
sei. Es geschicht gar selten, dass das Interregnum über acht Tage währet, und
binnen selbiger Zeit dependiert das meiste von den Staatsräten, der Senat aber
wie auch die andern Kollegia bleiben indessen ausgesetzt. Sonsten ist zu
remarquieren, dass die allgemeinen Gesetze und Verordnungen im Namen des Doge
publiziert, auch die Schreiben auswärtiger Puissancen an ihn adressiert,
ingleichen die Kreditivschreiben in seinem Namen ausgefertiget
