 Sacramozo
hindere die letzte Entfaltung von Andreas zum kühnen Liebenden, von Maria, um
die er das »Andere« wie eine Aura herumschweben sieht, zur seligen Geliebten.
    Malteser: »knien? - wie einer kniet, um von einem göttergleichen verehrten
Lehrer Belehrung zu empfangen, - diese Gebärde, ich werde gestorben sein, ohne
sie auf meinem Lebensweg gefunden zu haben. Wird dieser Junge der sein, der zu
knien vermag?« - er führt die Figur durch alle Situationen durch, die ihm den
Weltinhalt erschöpfen, »und werde ich den Weg finden, er zu sein? - dies nicht,
indem ich seine Unzulänglichkeit umgehe, sondern indem ich sie absorbiere.«
    Über das Sterben: »aus dem Theater fort müssen, bevor der Vorhang einmal
aufgegangen war.«
    Die angestrebte Auflösung ist die Beruhigung über das eigene Sein, über Groß
oder Klein, Beschränkt oder Mächtig, Aufgenommen oder Ausgeschlossen, - worin
zugleich die Beruhigung über die eigene Lebenszeit und die Zeitepochen und das
symbolisch-Sehen, auch die Beruhigung über das Dasein der Armen und Elenden.
    Der Malteser groß in seinem allseitigen Unterliegen, ein Wesen, das um sein
Schicksal ringt: er findet in Andreas' Vereinigung mit der verwandelten Maria
alles in einem: Glaube, Liebe, Erfüllung.
    Andreas, vor dem Bett, worin die Leiche Sacramozos ruht, muss ahnen, jener
könne in einem höchsten Sinn recht gehabt haben.
Andreas. - Resultat des venezianischen Aufenthaltes: er fühlt mit Schaudern, dass
er in die eingeschränkte Wiener Existenz gar nicht zurück kann, er ist ihr
entwachsen. Aber der gewonnene Zustand beängstigt ihn mehr als er ihn erfreut,
es scheint ihm ein Zustand, in welchem nichts bedingt, nichts erschwert, dadurch
aber auch nichts vorhanden ist. Alles erinnert nur an Verhältnisse, es sind
keine. Alles ist schon vorgekostet, nirgends ist etwas zu suchen, dadurch kann
auch nichts gefunden werden. - Gedanke, ob sich diese Steinchen im Kaleidoskop
neu ordnen können. Neidvolles Zurückdenken an die Ausfahrt des Großvaters
donauabwärts, die ersten Stellen, Erfolg durch Gesundheit und Mut, Frömmigkeit,
Treue, dabei eine gewisse gesunde Selbstsucht und Schlauheit. Andreas'
Rückreise. - Er war, was er sein konnte und doch niemals, kaum jemals war. Er
sieht den Himmel, kleine Wölkchen über einem Walde, er sieht die Schönheit, wird
gerührt, - aber ohne das Gefühl des Selbst, auf welchem, wie auf einem Smaragd,
die Welt ruhen muss; - mit Romana, sagt er sich, könnte es sein Himmel sein.
 
    
