 Die Tochter sagt, »es ist Südwind.« - Sie nimmt den Fremden bei
der Hand, »o nehmen Sie das, nur das von mir, dass ich es aus voller Absicht
getan habe, aus ganzem Bewusstsein heraus; - stehe ich nicht wie der Stein in der
Mauer, alles möchte stürzen, gerade dadurch muss es bleiben! - können Sie mich
fassen? Mordlust (imp of the perverse) ist nichts dagegen, - aus starrem Grausen
über die Welt habe ich es getan!« (- gleich sich widersprechend, sich der
teuflischen Selbstsucht anklagend) - Furchtbare Stockung, wo alles bleibt, alles
starrt, auch die Bewegung. - Die Tochter drängt sie weg, »dem Herrn sein
Nachtmahl ist gerichtet, lass ihn in Ruh!« - wie jung die Mutter aussieht im
gequältesten Moment. - die Tochter: der Pfarrer weist sie aus dem Beichtstuhl
als eine halsstarrig verzweifelte.
    Andreas: bei einem allgemein plumpen dumpfen Zustand gewisse Subtilitäten,
gewisse unwahrscheinliche Lieblingszusammenstellungen, denen der Geist immer
wieder nachgeht, die er als das Eigentliche empfindet, wogegen er das übrige
Leben niemals entmischt gewahr wird. Ein solches Anwandeln des Eigensten an
jenem Abend an dem Fluße, wo das Haus der betrübten Witwe steht; seltsames
Erlebnis dann nachts, wie die Halbirre auf seiner Brust kniet. Er identifiziert
sich vorher mit jenem Toten, ihm ist, er hätte jenen Blick geworfen. Im Bette
heftiges Denken an Romana.
    Er setzt, später die Rollen vertauschend, sich an die Stelle der
unglücklichen Mörderin, Romana an die Stelle des Mannes. Er ist hypochondrisch
genug, sich das Herabstossen vorzustellen. Aller Kleinheitswahn fließt hier
zusammen; er malt sich aus, was in Romana er alles zerstört, er lässt sie nicht
ganz tot sein, sondern als einen freudlosen Geist fortleben, - dadurch erst wird
ihm der Reichtum ihres Lebens klar, er fühlt sich mit ihr verbunden wie nie
zuvor, der Gehalt des Lebens geht ihm auf, - er ist selig. - »Wodurch werden wir
bewegt? von welcher Kraft, von welchem Punkt aus?« fragt er sich, und ihm graut
vor der Unbekanntschaft mit der Macht, die über allem ist.
    Die beständige Erhöhung der Materie Romana durch alles was sich begibt: er
kann Romana erst besitzen, wenn er sie glaubt.
    Im Hause der Witwe. Am Fenster bei Sonnenaufgang, Wolken überem Fluss.
Stärkstes Erlebnis: Ahnung aller und keiner Liebe in sich selbst, Ahnung: es
kann dir nichts geschehen, du kannst nicht zu kurz kommen. Vorher stufenweise
stärkste Anfechtungen; hauptsächliche Apprehension, um das Eigentliche, um den
Gehalt des Lebens betrogen zu werden. - Zu sich, »wer immer du bist, fromm oder
unfromm,
