 von einer bloßen
Nachricht, einem »stummen Niederfallen ferner Sterne« tangiert wird -: dies
Ganze empfindet sie als ihr Ich; dies Ganze muss selig werden, dies Ganze wäre
nie fähig gewesen, sich in der Liebe hinzugeben, dies Ganze kann Andreas niemals
umklammern, dies Ganze ist ihre Last und ihr Leiden.
    Ein mittlerer Aspekt von Maria, - wo sie am meisten als Dame wirkt: dass in
ihr noch nicht alles zusammengekommen ist, dass sie weder resigniert noch
erschöpft ist, dass die Möglichkeiten des Märtyrertodes ebenso wie des Erstarrens
in aristokratischer morgue vor ihr liegen.
    Sacramozo weiß aus Konfidenzen, dass sich Maria zuweilen verliert. Seine
Vermutungen über den Zustand.
Die Dame (Maria) und die Kocotte (Mariquita) sind beide Spanierinnen; sie sind
Spaltungen ein und derselben Person, die sich gegenseitig trucs spielen. Die
Kocotte schreibt ihm die Briefe. Die Kocotte hasst den Sacramozo und die ganze
sentimentale Tuerei. Einmal begegnet Andreas der Kocotte, wie er die Dame
verlässt; einmal verwandelt sich die gute Dame vor dem Spiegel in die böse
Kocotte. Die Kocotte fürchtet sich vor Sacramozo, glaubt, er hat den bösen Blick
(auch fürchtet sie, er könne sie umbringen, wirklich rennt er mit dem Messer
hinter ihr her) - Dadurch wird Andreas viel verliebter in die Dame und begreift
den Platonismus des Sacramozo gar nicht mehr. Einmal schläft er bei der Kocotte:
in der Früh ist das Bett leer, er hört ein Aufstöhnen, und mit den Zeichen
grässlichster Verwirrung läuft die andere fort. Während dieser wirren Zeit findet
er einmal in seinem Felleisen das Brusttuch der kleinen Finazzer. - Die Kocotte
gibt an, sie müsse zeitweise zu einem reichen Alten.
    Porträt von Maria und Mariquita im Tagebuch: mit Maria zu sein, heißt dem
feinsten und tiefsten Begriff des Individuums nachgehen: nach dieser Richtung
ist Marias religiöser Ästetismus orientiert. Ihr kommt es auf die Einheit, auf
die Einzigkeit der Seele an, - aber an dem Leib wird sie zuschanden. Es wäre
unmöglich, ihr ein Kompliment über ihre Schönheit oder ein Detail ihrer Gestalt
zu machen. Sie hält daran, dass kein Baum, keine Wolke ihresgleichen haben. Ihr
graut vor der Liebe, welche mit Verwechslung arbeitet (sie erinnert an die
Prinzessin im »Tasso«).
    An Mariquita ist es jedes körperliche Detail, was einzig und ewig scheint:
das Knie, die Hüfte, das Lächeln. Sonst kümmert sie sich wenig um Einzigkeit;
sie glaubt nicht an die Unsterblichkeit der Seele. Ihr Reden, ihr Argumentieren,
ihr Denken selbst ist ganz Pantomime, ganz potentielle Erotik, kein Wort darin
über den Moment hinaus gemeint, - sie buhlt immerfort mit allem was sie umgibt.
    Durch einen kleinen kurzatmigen King
