 sein (wie Franz von
Assisi), um durch ein einziges Erlebnis für immer bestimmt zu werden. Der
gewöhnliche Mensch wird sich, wenn eine furchtbare Erfahrung ihm den Weg nach
einer Seite verlegt, nach der anderen Seite hinziehen ...« - auch pflegen wir
ein Individuum aus einem Typus hervorzubringen, indem wir eine zweite Reihe ihn
durchkreuzen lassen: Narciss ist ein Lump, aber ein ordentlicher Musiker (cf.
Goethe, »Anmerkung«)
    Malteser: »Sie erwähnen sehr oft Ihren Onkel in einer gewissen Weise, - er
muss Ihnen wichtig sein.« (mehr Aufforderung ist bei Sacramozo undenkbar) -
Andreas wurde rot. Die Geschichte vom Onkel Leopold und die beiden
Entscheidungstage. Im Sterbezimmer: die Witwe, die zweite Familie, Bauernjungen
(Zehenter). Die della Sphina, »wir beide haben viel verloren, liebe Frau.« -
indem Andreas erzählt, kommt ihm Kastell Finazzer, jener traurige Tag zurück. -
der Malteser (mit einem warmen Blick) »Sie haben das schön erzählt.
Menschenleben ist in Ihnen gediegen enthalten und löst sich schön ab.« - Sein
Vorschlag zum Besuch.
    Kap. VI. Ein Besuch.
    »Wer kennt sein eigenes Element?«
    In der Gesellschaft des Maltesers, ja nur durch einen Bezug auf diesen,
verfeinert und sammelt sich Andreas' Existenz. Begegnet er diesem, so kann er
sicher sein, nachher etwas Merkwürdiges oder wenigstens Unerwartetes zu erleben.
Seine Sinne verfeinern sich, er fühlt sich fähiger, im andern das Individuum zu
genießen, fühlt sich selber mehr und höheres Individuum. Liebe und Hass sind ihm
näher. Die Bestandteile der eigenen Natur sind ihm interessanter, er ahnt hinter
ihnen das Schöne. In dem Malteser ahnt er eine Meisterschaft im Spiel von dessen
eigener Rolle. Es gibt keine Situation, in der er ihn sich nicht vorstellen
könnte. An dem Malteser tritt ihm die höchste Empfänglichkeit für eigene Natur
entgegen.
    Er sagt sich das alles selbst, aber in hypochondrischen Selbstvorwürfen:
»was bin ich für ein Mensch, der erste beste vornehmere Mensch wirkt so stark
auf mich.«
    Anfang: Malteser kommt ihm nach auf der Riva dei Schiavoni, »wie gut, dass
ich Sie finde.« (Andreas hat ein unbestimmtes Gefühl dorthin getrieben) »Fast
hätte ich nach Ihnen geschickt. Man will Sie sehen ...«
    Geheimnis um Maria: beim ersten Besuch Andreas' macht sie eine ganz kleine
hilflose Bewegung nach einer dunklen Ecke hinter ihrem Sofa, mit einer
Unfreiheit um die Mitte des Leibes, - und in diesem Augenblick ahnt Andreas, dass
es ein für ihn unauflösliches Geheimnis hier gibt, dass er diese Frau nie kennen
wird, und fühlt, dass ihn hier die Unendlichkeit
