 Er drückt ihm ganz
den Stempel des Politischen auf.
    Mit scheinbar schläfrigen Augen sieht Rodrigo Borgia umher: nach
Kardinalsgenossen, die ihm helfen könnten.
    Er tut dem und jenem diesen und jenen »Gefallen«: schenkt ihm eine Perle,
einen persischen Teppich, eine Pfründe und verspricht ihm das Tausendfache.
    Dieser Innozenz VIII., haha, lebt ja wohl nicht ewig! Ein erbärmliches
feiges Hündchen, aber er zeigt, wie man's machen muss. Er gibt Absolution und
Pardon selbst bei Mord und Totschlag gegen entsprechende Taxen.
    Er stirbt.
    Rodrigo steht an seinem Sterbebett und fühlt seine Zeit gekommen.
    Er drückt ihm die Augen zu.
    Er richtet sich hoch auf, als er von dem Toten geht. Es scheint allen, als
sei er plötzlich gewachsen. Seine Augen sprühen Feuer.
Das Konklave beginnt.
    Rodrigo Borgia ist Spanier.
    Die meisten italienischen Kardinale sind der Meinung, dass die Tiara einem
Italiener gebühre.
    Sie sind gegen den »Ausländer«.
    Schon sind drei Skrutinien ohne positives Ergebnis vorübergegangen.
    Zwischen Kardinal Kosta und Kardinal Karaffo scheint die Entscheidung zu
liegen. Es wurden Wetten auf sie abgeschlossen. Auch Borgia selbst ließ unter
der Hand hohe Wetten abschließen. Auf sich selbst.
    Golden, aus schwarzem Hintergrund trat plötzlich der Borgia hervor. Er geht
von einem Kardinal zum andern und trägt auf seinen Händen alle Reichtümer der
Welt, bereit, sie unter sie zu streuen. Er ist der große Verführer. Er führt sie
auf die Hügel um Rom und zeigt ihnen Rom, zeigt ihnen Italien, zeigt ihnen die
Welt.
    Du, Orsini, bekommst das Bistum Kartagena. Du, Kolonna, die Abtei Subiaco.
Savelli, mein Freund, dir gebührt Civita Kastellana und das Bistum Maiorca. Das
Bistum Pamplona, üppig wie sein Name, ist dir vorbehalten, Pallavicini. Riario,
Sanseverino: Ihr werdet alle zu dem Euren kommen! Du, Ascanio Sforza, du bist
der Edelste, Einflussreichste, Würdigste: Dich will ich überschütten mit Gold und
Gnade - wenn erst die Tiara mein Haupt schmückt. Meinen eigenen Palast sollst du
haben, mein ertragreiches und bequemes Amt des Vizekanzlers, das Bistum von
Erleu, das dir 10000 Golddukaten mindestens bringt - und viele andere Benefizien
-
    So ging der Borgia von einem zum andern und gewann vierzehn Stimmen.
    Vierzehn Stimmen!
    Er frohlockte! Nur eine einzige fehlt mir noch - und ich bin der Papst, der
papa di Roma, ein Borgia der Stellvertreter Christi auf Erden, ein Borgia wird
Gott!
    Aber zu wem er nun noch ging: Piccolomini, Zeno, der junge Giovanni di
Medici, den er fast liebte - sie drehten ihm den Rücken.
    Karaffa und Kosta, bei Beginn des Konklave die aussichtsreichsten
Kandidaten, waren
