 und es tut mir sehr leid.«
    Herr Pollunder bedeckte den größeren Teil seines Gesichtes mit der
Serviette, während Klara Karl zwar anlächelte, doch war es kein teilnehmendes
Lächeln, sondern eines, das ihn irgendwie beeinflussen sollte.
    »Da braucht es keine Entschuldigung«, sagte Herr Green, der gerade eine
Taube mit scharfen Schnitten zerlegte, »ganz im Gegenteil, ich bin ja froh, den
Abend in so angenehmer Gesellschaft zu verbringen, statt das Nachtmahl allein zu
Hause einzunehmen, wo mich meine alte Wirtschafterin bedient, die so alt ist,
dass ihr schon der Weg von der Tür zu meinem Tisch schwer fällt, und ich mich für
lange in meinen Sessel zurücklehnen kann, wenn ich sie auf diesem Gang
beobachten will. Erst vor kurzem habe ich durchgesetzt, dass der Diener die
Speisen bis zur Tür des Speisezimmers bringt, der Weg aber von der Tür zu meinem
Tisch gehört ihr, soweit ich sie verstehe.«
    »Mein Gott«, rief Klara, »ist das eine Treue!«
    »Ja, es gibt noch Treue auf der Welt«, sagte Herr Green und führte einen
Bissen in den Mund, wo die Zunge, wie Karl zufällig bemerkte, mit einem Schwunge
die Speise ergriff. Ihm wurde fast übel und er stand auf. Fast gleichzeitig
griffen Herr Pollunder und Klara nach seinen Händen.
    »Sie müssen noch sitzen bleiben«, sagte Klara. Und als er sich wieder
gesetzt hatte, flüsterte sie ihm zu: »Wir werden bald zusammen verschwinden.
Haben Sie Geduld.«
    Herr Green hatte sich inzwischen ruhig mit seinem Essen beschäftigt, als sei
es Herrn Pollunders und Klaras natürliche Aufgabe, Karl zu beruhigen, wenn er
ihm Übelkeiten verursachte.
    Das Essen zog sich besonders durch die Genauigkeit in die Länge, mit der
Herr Green jeden Gang behandelte, wenn er auch immer bereit war, jeden neuen
Gang ohne Ermüdung zu empfangen, es bekam wirklich den Anschein, als wolle er
sich von seiner alten Wirtschafterin gründlich erholen. Hin und wieder lobte er
Fräulein Klaras Kunst in der Führung des Hauswesens, was ihr sichtlich
schmeichelte, während Karl versucht war, ihn abzuwehren, als greife er sie an.
Aber Herr Green begnügte sich nicht einmal mit ihr, sondern bedauerte öfters,
ohne vom Teller aufzusehen, die auffallende Appetitlosigkeit Karls. Herr
Pollunder nahm Karls Appetit in Schutz, obwohl er als Gastgeber Karl auch zum
Essen hätte aufmuntern sollen. Und tatsächlich fühlte sich Karl durch den Zwang,
unter dem er während des ganzen Nachtmahls litt, so empfindlich, dass er gegen
die eigene bessere Einsicht diese Äußerung Herrn Pollunders als Unfreundlichkeit
auslegte. Und es entsprach nur diesem seinen Zustand, dass er einmal ganz
unpassend rasch und viel aß und dann wieder für
