 schon die Tür erreicht, durch die K. zuerst den Hof betreten hatte, noch
einmal blickte er zurück, K. glaubte ihn den Kopf schütteln zu sehen über soviel
Hartnäckigkeit, dann wandte er sich mit einer entschlossenen, kurzen,
endgültigen Bewegung um und betrat den Flur, in dem er gleich verschwand. Der
Kutscher blieb länger auf dem Hof, er hatte viel Arbeit mit dem Schlitten, er
musste das schwere Stalltor aufmachen, durch Rückwärtsfahren den Schlitten an
seinen Ort bringen, die Pferde ausspannen, zu ihrer Krippe führen, das alles
machte er ernst, ganz in sich gekehrt, ohne jede Hoffnung auf eine baldige
Fahrt; dieses schweigende Hantieren ohne jeden Seitenblick auf K. schien diesem
ein viel härterer Vorwurf zu sein als das Verhalten des Herrn. Und als nun, nach
Beendigung der Arbeit im Stall, der Kutscher quer über den Hof ging, in seinem
langsamen, schaukelnden Gang, das große Tor zumachte, dann zurückkam, alles
langsam und förmlich nur in Betrachtung seiner eigenen Spur im Schnee, dann sich
im Stall einschloss und nun auch alles elektrische Licht verlöschte - wem hätte
es leuchten sollen? - und nur noch oben der Spalt in der Holzgalerie hell blieb
und den irrenden Blick ein wenig festhielt da schien es K., als habe man nun
alle Verbindung mit ihm abgebrochen und als sei er nun freilich freier als
jemals und könne hier auf dem ihm sonst verbotenen Ort warten, solange er wolle,
und habe sich diese Freiheit erkämpft, wie kaum ein anderer es könnte, und
niemand dürfe ihn anrühren oder vertreiben, ja kaum ansprechen; aber - diese
Überzeugung war zumindest ebenso stark - als gäbe es gleichzeitig nichts
Sinnloseres, nichts Verzweifelteres als diese Freiheit, dieses Warten, diese
Unverletzlichkeit.
 
                               Das neunte Kapitel
Und er riss sich los und ging ins Haus zurück, diesmal nicht an der Mauer
entlang, sondern mitten durch den Schnee, traf im Flur den Wirt, der ihn stumm
grüßte und auf die Tür des Ausschanks zeigte, folgte dem Wink, weil ihn fror und
weil er Menschen sehen wollte, war aber sehr enttäuscht, als er dort an einem
Tischchen, das wohl eigens hingestellt worden war, denn sonst begnügte man sich
dort mit Fässern, den jungen Herrn sitzen und vor ihm - ein für K. bedrückender
Anblick - die Wirtin aus dem Brückengastaus stehen sah. Pepi, stolz, mit
zurückgeworfenem Kopf, ewig gleichem Lächeln, ihrer Würde unwiderlegbar sich
bewusst, schwenkend den Zopf bei jeder Wendung, eilte hin und wieder, brachte
Bier und dann Tinte und Feder, denn der Herr hatte Papiere vor sich
ausgebreitet, verglich Daten, die er einmal in diesem, dann wieder einmal in
einem Papiere am anderen Ende des Tisches fand, und wollte
