 sagen ja:
der Hecht, der Karpfen, der Aal. Wie aber crinis, das Haar, zu der Ehre kommt,
grade männlich zu sein, und wieso es auch dann männlich bleibt, wenn's Weiber
haar ist, das wissen die Götter.« - »Hier liegt der Stumpfsinn auf der Hand,«
entschied Uli, »ond i sag euch: wenn i Minischter bin oder mindeschtens
Reichstagsabgeordneter, i sorg dafür, dass net mähr so blöde Regle den
Pennälerverstand misshandle. I werd's Schachspiel zom Unterrichtsgegenstand mache
- an Stell von der lausigen Grammatich, gelt?« Das war nun wieder eine von Ulis
Grosszügigkeiten; in ihm sahen wir einen künftigen Bismarck oder Napoleon.
    Weil so die Gedanken auf die Zukunft gerichtet waren, äußerte sich auch
Wendelin über sein Lebensideal: »Der Bruno dichtet an seim Epos - mir ischt
Matema tik die schönschte Reimerei. Mei Glaasbergle hat auf der Spitze einen
Krischtall.« Fragend starrte ich diesen geistigen Wolkenstürmer an, und er fuhr
fort: »Aber der Krischtall dürft net so winzik sein wie Diamant! Bergkrischtalle
hat's schon in beträchtlicher Größe, manche sind dick wie der Apfel da! Aber
bedeutender müsst mei Krischtall sein ... wie der Schuppen! Ja größer noch! Wie
die Wurmlinger Kapelle!« - »Und?« fragte ich gespannt. - »Ond ganz scharf und
spiegelblank müsst mei Krischtall sein - spiegeln müsst er mir älles rings. Ja 's
Weltall müsst er abspiegele! Na tät i älles im Spiegel betrachte. Und die
Hauptsach wär, dass sich älles, was irgendwo geschieht, berechne ließ, warom's
grad so ond net anders hat müsse komme ond wie's weiter geht.«
    Ich bestaunte die Kühnheit dieses Ideals, und Uli meinte mit Genugtuung:
»Dann wär das Leben eine Art Schachspiel!« - »O freili! Wär's net schön, wenn mr
die Nadur- ond Weltgschicht studiere könnt, wie mr Schachaufgabe löst?« - »Dann
möchtest du also ein Staatsmann werden? Als Politiker tut mr die Weltgschicht
vorher berechne - ond die Mensche tut mer schiebe wie Schachfigure.«
    »Man glaubt zu schieben - ond mer wird geschoben - hab der Goethe gesagt.« -
»Oho!« muckte Uli auf. »Meinen Weg gang i - und den möcht i sehe, der mi als
Schachfigur schiebe dürft!« - Unbeirrt fuhr Wendelin fort: »Ja, wenn das
Schicksal net wär! Daas tut's!« - »I selber will mei Schicksal sein!« - »Dees
sagt sich leicht - doch vieles lässt sich net durchsetze - auch wemmer in der
Wahl seiner Eltern vorsichtik gwä ischt.«
