
Drei Dinge hasste Crammon aus Herzensgrund: Zeitungen, allgemeine Bildung und
Steuern. Namentlich, was die Steuerpflicht betraf, konnte er nicht einsehen, dass
auch seine Person ihr unterworfen sein sollte.
    Einst war er vorgeladen worden, um seine Einnahmen zu bekennen. Er sagte, er
befinde sich den größten Teil des Jahres auf den Schlössern und Gütern seiner
Freunde als Gast.
    Der Beamte hielt ihm entgegen, dass er doch ein recht luxuriöses Leben führe
und daher irgendwelche festen Einkünfte haben müsse.
    »Gewiss,« log Crammon zynisch, »diese Einkünfte bestehen aus dürftigen
Spielgewinsten in mehreren internationalen Badeorten. Ein derartiger Erwerb
unterliegt meines Wissens keiner Besteuerung.«
    Der Beamte staunte und schüttelte den Kopf; dann verließ er das Zimmer, um
sich über den Fall mit seinem Vorgesetzten zu beraten. Crammon sah sich allein.
Wutbebend hielt er Umschau, nahm ein Bündel Akten aus einem Regal und schob sie
hinter den Ständer an die Mauer, wo sie aller Voraussicht nach im Laufe der
Jahre vermodern mussten und in ungesetzlicher Verborgenheit als Spender von
Steuerbefreiungen wirksam waren.
    Sooft er sich dieser Untat erinnerte, überließ er sich einem sanften und
erquickenden Gelächter.
 
                                       8
Die Prinzessin Uchnina hatte Crammon auf einem der Esterhazyschen Schlösser in
Ungarn kennengelernt. Schon zu jener Zeit hatte ihre ungebundene Lebensführung
Anstoß erregt, später hatte sich ihre Familie deswegen von ihr losgesagt.
    In einem Hotel in Kairo begegnete er ihr wieder. Da sie reich war, musste er
nicht fürchten, ausgebeutet zu werden. Er hatte für die blutsaugerischen Frauen
nicht viel übrig, und die Herrschaft über seine Sinne hatte er noch nie
verloren. Es gab keine Leidenschaft, die ihn verhindern konnte, um zehn Uhr im
Bett zu liegen und zehn Stunden zu schlafen wie ein Bär.
    Die Uchnina lachte gern, Crammon bot ihr Stoff dazu, er war zufrieden, wenn
sie sich amüsierte. Er wünschte nicht, dass man übermäßig verliebt in ihn sei,
sondern er legte Wert auf eine anständige Behandlung und kameradschaftliche
Leichtigkeit. Ihn verlangte nicht nach Liebe mit den üblichen Zutaten von
Romantik und Unruhe, von Eifersucht und Sklaverei, sondern er wollte genießen,
und zwar möglichst greif- und spürbar genießen. Er machte sich weniger aus der
Flamme als aus dem Braten, der darauf zubereitet wurde; er fragte nicht viel
nach der Seele, sondern hielt sich allezeit an den Leib.
    Auf dem Schiff, das ihn und die Prinzessin nach Brindisi brachte, befand
sich eine strohblonde Dänin mit Augen wie Kornblumen. Er ging zu der Einsamen
und wusste sie zu bestricken. Sie fuhren zu dreien nach Neapel, dort hatte die
Dänin ihr Zimmer näher bei dem Crammons als die Prinzessin. Die Prinzessin aber
lachte.
    Sie kamen nach Florenz. Vor dem Baptisterium traf Crammon eine traurige
