 das Schloss, das sie am Meer bei Yalta bauen lässt, werden Einzelheiten
bekannt, die an Tausendundeine Nacht gemahnen; in vier Wochen soll es schon
fertig sein; großartige Festlichkeiten sind für den Einzug geplant; zu den
Geladenen zähle auch ich. Man spricht von nichts anderm als von diesem Schloss;
die Parkanlagen sollen einen Flächenraum von fünf Quadratmeilen bedecken; nur
durch verschwenderischen Aufwand von Kosten und Arbeitskräften konnte das Ganze
in der kurzen Zeit eines Jahres hergestellt werden. Den Mittelbau, heißt es,
krönt ein Zinnenturm, von dessen Plattform man einen grandiosen Blick über das
Meer genießt und der nach dem Muster des Turms der Signoria zu Florenz errichtet
ist. Eine goldene Wendeltreppe mit kostbar emailliertem Geländer führt im Innern
empor, und jedes Fenster gibt einen sorgfältig gewählten Ausschnitt südlicher
Landschaft. Als Wandschmuck für einen der Säle wünschte sie sich die noch
vorhandenen, von den Engländern noch nicht weggeschaften Malereien von El Hira,
der berühmten Ruine in der arabischen Wüste. Ihr diese zu verschaffen, bedurfte
es weitläufiger diplomatischer und geschäftlicher Verhandlungen; dann musste, mit
vielen Schwierigkeiten und vielem Geld, eine Expedition ausgerüstet werden, die
drei Monate unterwegs war und erst vor kurzem zurückgekehrt ist. Die Reise war
so abenteuerlich als gefährlich, und sieben Menschen haben dabei ihr Leben
eingebüßt. Als man es Eva mitteilte, schien sie zu erschrecken und die Kühnheit
ihres Verlangens zu bedauern; dann sah sie das Bildwerk und war so hingerissen,
dass ihr Lächeln fast Befriedigung über die Opfer an Blut ausdrückte. Es liegt
hierin keine Übertreibung; so ist jetzt ihr Wesen; diese wunderbarsten aller
Hände rühren an die Welt wie an ein Sklavengut, das ihnen und nur ihnen
verheißen und verbrieft ist. Ich sah sie selbst eines Tages hingekauert vor den
Malereien einer fernen, fremden Zeit; mich erschütterte der Ausdruck, mit
welchem sie die Bewegungen der archaischen Figuren betrachtete; es war ein
Ausdruck der Abkehr und Grausamkeit.
    Ich bin unwillkürlich auf das antike Gemälde und seine Herbeischaffung
geraten und bemerke nun, dass ich keinen kürzeren Weg hätte wählen können, um zum
Kern dessen zu gelangen, was ich Ihnen erzählen möchte, denn die Vorgänge, die
sich in den letzten Tagen abgespielt haben, gehen davon aus. Natürlich konnten
nur wenige Menschen den Schleier lüften, hinter dem sie heute noch verborgen
sind und vermutlich stets bleiben werden; wer nicht, wie ich, durch eine Reihe
günstiger Umstände Einblick gewonnen hat, tappt im Dunkel. Ich muss Sie auch um
strengste Verschwiegenheit bitten; ich hinterlege dieses Schreiben, dessen
Beförderung Vorsicht erheischte und das der Botschaftskurier mit über die Grenze
nimmt, als Urkunde bei Ihnen. Mit seiner Hilfe wird man später einmal die
Genesis gewisser Ereignisse bis zu den unscheinbaren Wurzelfasern verfolgen
können.
    Kaum waren die Malereien von
