, die feucht geworden waren, zündete eine
Zigarette an, fröstelte in der Kälte, die ihm vom Flur entgegenschlug und
stülpte den Kragen seines gelben Überziehers hoch.
    Christian geleitete ihn artig bis zur Schwelle. Er sagte leise: »Ich hoffe,
Sie bald zu sehen. Ich erwarte Sie.«
    Auf dem Treppenabsatz im zweiten Stock blieb Niels Heinrich stehen und
meckerte sinnlos in die Luft hinein.
 
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Fürst Wiguniewski schrieb an Kornelius Ermelang nach Vaucluse in Südfrankreich:
    Sie scheinen in Ihrer petrarkischen Einsamkeit die Welt verloren zu haben,
da Sie sich so angelegentlich nach unserer Diva erkundigen. Ich dachte Sie noch
in Paris; ich dachte, Sie hätten Eva Sorel dort gesehen, denn sie ist erst vor
wenigen Tagen zurückgekehrt; zurückgekehrt wie ein mit Ruhm und Beute beladener
Sieger nach einem Feldzug von drei Wochen; haben Sie nicht wenigstens aus
Zeitungen erfahren, in welches Hochfieber des Enthusiasmus sie die
internationale Gesellschaft neuerdings versetzt hat?
    Ihre Nachfrage klingt besorgt, und der Grund ist mir verständlich, obgleich
Sie sich nicht darüber äußern. Wie kurz auch das Beisammensein während Ihres
Petersburger Aufenthalts mit ihr war, so müssen Sie doch mit Ihrem für das
Innere der Menschen geschärften Blick die Verwandlung wahrgenommen haben, die
mit ihr vorgegangen ist. Ich schwanke, ob ich sagen darf, es sei eine
beunruhigende Verwandlung, da sie ja gewiss dem Gesetz ihres Wesens unterliegt.
Schmerzlich ist das Schauspiel nur für uns, die wir den Anfang und den Aufstieg
kennen, für zehn bis zwölf Menschen in Europa, denn was uns als das schönste
Erlebnis unsrer Jugend ergriffen hat, war die Süßigkeit, der Glanz, das
sternhaft Unbeschwerte an ihr. Sie war zeitlos; sie war in jedem Augenblick das
Geschenk des Augenblicks, doch Ihnen muss ich nicht schildern, was und wie sie
war; Sie wissen es. Es fragt sich, ob es erlaubt ist, zu tadeln oder zu klagen,
wenn eine Entwicklung nicht unsrer Erwartung entspricht; das Wirkliche und
Gewordene enthält wahrscheinlich den triftigeren und weiseren Sinn, wie sehr wir
auch widerstreben. Man will immer zu viel und sieht und begreift infolgedessen
zu wenig. Man sollte mehr Demut haben.
    Es ist eine Tatsache, dass sie die öffentliche Meinung in unserm Land
beschäftigt und aufwühlt wie kaum ein andrer Mensch. Man ist beständig darüber
unterrichtet, wer in ihrer Gunst steht und wer in Ungnade gefallen ist; der
Luxus, mit dem sie sich umgibt, setzt die verrücktesten Fabeln in Kurs und
übersteigt alles, was wir in dieser Beziehung erlebt haben. Ihre monatlichen
Einkünfte beziffern sich auf Hunderttausende, ihr Vermögen wird heute schon auf
zwanzig bis dreißig Millionen Rubel geschätzt. Zweimal wöchentlich kommt für sie
ein Eisenbahnwaggon mit Blumen aus der Riviera und zweimal einer aus der Krim.
Über
