, mit der sie ihm zuhörte und die ihr Gesicht
veränderte. Es verjüngte sich. Ein Wohlgefühl durchflutete ihn, eine eigene,
sogar über die Haut sich ausbreitende Freude. Er hatte eine solche Freude noch
nicht kennengelernt. Es war ein neues Gefühl.
    Mit freierem Ausdruck fuhr er fort zu sprechen, gelöster und offener noch;
das Studium an sich sei ihm gleichgültig; es sei für ihn ein Mittel zu etwas
anderm. Wohin es ihn führen werde, wisse er nicht; was die Zukunft anlange, habe
sich in letzter Zeit seine Unklarheit vermehrt. Er habe, wie gesagt, etwas
Bestimmtes von sich erwartet, nämlich, dass er in einen Beruf würde treten können
wie die meisten jungen Leute; aber er habe sich in seiner Erwartung getäuscht.
Trotzdem wisse er, dass er im wesentlichen nicht fehlgegangen sei; er übe sich;
jeder Tag bereichere ihn; er käme jetzt den Menschen ganz anders nahe; es werde
aller Flitter und Aufputz von ihnen genommen. So ein Krankensaal, so ein
Wartezimmer in der Klinik, so ein Betäubter auf dem Operationstisch, so ein
Spital mit Hunderten von Leidenden, da gebe es keinen Betrug mehr, da packe
einen die Wahrheit an, da begreife man vieles, was man vorher nicht begriffen,
da könne man in der Welt lesen wie in einem Buch. Brustkranke Kinder, skrofulöse
Kinder, Kinder, die mit großen Augen in den Tod schauen, wer das nicht gesehen
habe, der lebe gar nicht richtig. Und wo sie alle herkamen und wo sie alle
hingingen, und was sie zueinander redeten, die Mütter, die Väter, dies Gewimmel,
und jeder einzelne wieder für sich wunderbar interessant. Grausiges schrecke ihn
nicht mehr, keine Wunde, keine aufgeschnittene Brust; er sei schon kalt; sei
sogar willens, sich für den Dienst in den ostpreussischen Leprabaracken zu
melden; es zwinge ihn hinunter, immer weiter hinunter in die Menschheit; er
könne nicht satt werden; nur hinunter, hinunter, es gebe ja immer noch
Grässlicheres, noch größere Qual, und das müsse er in sich hineintun, sonst habe
er keinen Frieden. Später werde er noch andre Wege finden; an den Kranken, wie
gesagt, übe er sich nur; die Leiber seien eins, die Seelen seien ein zweites;
immer wenn etwas Heimliches und Verborgenes sich für ihn entschleiert habe,
werde ihm leicht ums Herz.
    Die Arme auf den Bettrand gestützt, vorgebeugt wie über eine Brüstung, mit
gierigem Staunen starrte ihn Karen an. Sie verstand und verstand auch nicht,
verstand den Sinn und nicht die Worte, jetzt wieder die Worte und nicht den
Sinn; nickte, grübelte, verzog den Mund, lachte lautlos, wie irr, hielt den Atem
zurück
