 die Komödianten und das Stück. Mich überkommt
jedesmal Sehnsucht nach Wasser und Seife. Ihr könnt die Zeit benutzen, euch ein
bisschen auszusprechen; nachher soupieren wir.«
    Sie rauschte hinaus, nicht ohne Crammon einen starken Blick zuzuwerfen.
    Crammon fragte sinnend: »Wissen möchte ich, weshalb sich dieses Gebäude
Villa Ophelia nennt. Es gibt so viel Unerklärliches im Leben; dies gehört dazu.«
    Lätizia lachte. Sie betrachtete ihn mit einer Mischung von Ironie und Scheu.
Wie sie vor ihm stand, in ihrem Kostüm aus hellgelber, weicher Seide, Hals und
Büste in einem feuchten Elfenbeinglanz, hatte Crammon einige Mühe, sich noch
weiterhin bemitleidenswert zu finden. Lätizia näherte sich ihm einen Schritt und
sagte schelmisch gefühlvoll: »Also mein Papa. Wer hätte das gedacht! Es muss
unangenehm für dich gewesen sein, als sich eine vergessene alte Sünde plötzlich
in einen lebendigen jungen Menschen verwandelte.«
    Crammon, während ein Rest von Düsterkeit blieb, kicherte. Er nahm ihre Hand
zwischen seine beiden und drückte sie warm. »Ich sehe, wir verstehen uns,« sagte
er, »und das beruhigt mich. Wovor ich mich gefürchtet habe, waren Ausbrüche,
Tränen, und was bei solchen Anlässen sonst noch üblich ist. Nun, du hast
Vernunft, das ist nett. Damit aber dem Zeremoniell Genüge geschehe, empfange den
väterlichen Kuss von mir. Einen Kuss auf die Stirn. Es ist schicklich.«
    Lätizia neigte den Kopf, und er küsste sie auf den Haaransatz. Sie sagte:
»Wir haben also jetzt ein süßes Geheimnis miteinander? Wie soll ich dich vor
Menschen nennen? Onkel? Onkel Crammon? Onkel Bernhard? Oder ganz einfach
Bernhard?«
    »Ich denke, ganz einfach Bernhard,« erwiderte Crammon. »Selbstverständlich
bist du nach wie vor die rechtmäßige Tochter des verstorbenen Herrn von
Febronius und seiner rechtmäßig angetrauten, ebenfalls verstorbenen Gattin.
Unsere Situation erfordert einen besonders feinen Takt, von beiden Seiten.«
    »Gewiss,« pflichtete Lätizia bei und setzte sich. »Wenn ich mir vorstelle,
von welchen Gefahren man belauert ist. Hätte ich nun nichts gewusst und mich in
dich verliebt! Entsetzlich. Übrigens merke ich, dass ich gar keinen Respekt vor
dir habe, ich spüre etwas Schwesterliches; du gefällst mir ganz gut; wirst du
damit vorliebnehmen? Oder findest du mich pietätlos?«
    »Es ist vollkommen ausreichend,« sagte Crammon. »Ich kann dir überhaupt in
diesem Punkt eine ökonomische Gebarung nicht dringend genug aus Herz legen. Die
meisten Menschen gehen mit ihren Gefühlen um wie die Aschantiweiber mit
Glasperlen; fortwährend klappern sie damit und kommen gar nicht auf den
Gedanken, was für ordinärer Plunder es ist. Aber das nur nebenbei. Wir
