 Kommando mit
der Wachsamkeit dressierter Hunde; das Wasser läuft von ihren Monturen herunter,
der Wachtmeister brüllt, die Unteroffiziere knirschen vor Eifer und Wut; du aber
denkst beständig, mit der Eintönigkeit, mit der die Regentropfen auf deine Mütze
fallen: was wird heute abend sein? Was wird morgen früh sein? Was wird morgen
abend sein? Das Jahr liegt vor dir wie eine aufgeweichte Landstraße. Du denkst
an deine öde Stube mit den drei Dutzend Büchern, den nichtssagenden Bildern an
den Wänden und dem Teppich, der von Fusstritten abgeschürft ist; du denkst an den
Rapport und an die Kantinenrechnung und an die Stallinspektion und an den
nächsten Offiziersball, wo du mit den namenlos prätenziösen Frauen der
Vorgesetzten tödlich langweilige Konversation wirst machen müssen; denkst es im
Kreis herum, immer dasselbe Nichtige, Unfrohe, Graue, Regnerische; ist das zu
ertragen?
    Ich legte mir eines Tages die Frage vor: was leistest du eigentlich und was
wird dir dafür gewährt? Die Antwort war: die Leistung ist, von einem
menschlichen und geistigen Gesichtspunkt aus betrachtet, gleich null. Gewährt
wurde mir dafür ein Privileg, vielmehr eine Summe von Privilegien, die zusammen
eine hohe soziale Rangstufe ausmachten, allerdings um den Preis des vollkommenen
Verzichts auf Persönlichkeit. Ich hatte nach oben hin zu gehorchen, nach unten
hin zu befehlen, weiter nichts. dabei war die Befehlsmacht bedingt durch die
Gehorsamspflicht. Jeder, ob er nun über oder unter mir stand, hatte dieselbe
Aufgabe: nach oben zu gehorchen, nach unten zu befehlen. Man war einfach ein
Schaltapparat in einer komplizierten Leitung. Nur die Untersten, die große Masse
hatte ausschließlich zu gehorchen; die Verantwortungen nach oben hin verloren
sich irgendwo ins Ungewisse. Das Gebäude der militärischen Organisation hat ja
trotz seiner Primitivität letzten Endes eine sehr geheimnisvolle Struktur;
zwischen der Willkür einzelner und der unbegreiflichen, erschütternden
Unterwerfung der Masse bewegen sich die Glieder nach ehernem Gesetz, und wer da
versagt oder sich auflehnt, wird zermalmt.
    Viele behaupten, dass dieser Zwang sittliche Wirkungen ausübe und zu einem
höheren Grad von Freiheit erziehe. Ich selbst war lange der Ansicht. Ich konnte
sie auf die Dauer nicht aufrechtalten. Ich fühlte das Versagen kommen, die
Auflehnung gärte mir im Blut. Ich nahm mich zusammen; ich bekämpfte Zweifel und
Kritik in mir; es war umsonst. Es ging nicht mehr. Die Sicherheit im Befehlen
schwand, und gleichzeitig fiel mir der Gehorsam schwer. Ein quälender Zustand.
Ich sah über mir lauter unerbittliche Götzen und unter mir lauter wehrlose
Opfer. Ich selbst war Götze und Opfer in einem, unerbittlich und wehrlos
zugleich. Wo mein Pflichten- und Tätigkeitskreis begann, hörte die Menschheit
auf, so schien es mir. Mein Leben erschien mir nicht als ein
