 nur - dann kommt der Lenz!
    Ich muss eine Erfindung machen. Eine Erfindung, wie sie sich gehört, ist das
zielbewusste Suchen und Finden einer neuen Nutzbarmachung einer der vorhandenen
Kräfte. Eine Kraft wird nutzbar durch Umwandlung latenter in bewegte Kraft und
durch Schaffung eines Gefälles. Alle Erscheinungen der Kraft, soweit sie
mechanisch sind, nutzen wir aus; vom chemischen Prozess und elektrischen »Strom«
bis zu Wasser und Wind, ausgenommen den Luftdruck und die Schwerkraft im engeren
Sinne. Diese aber scheidet aus - sie ist das physikalische Rätsel an sich,
vielleicht nur ein metaphysisches Problem - wir können kein - Gefälle für sie
schaffen, keinen schwerkraftlosen Raum. Und jener tritt nur, abgesehen von den
meteorologischen Erscheinungen, in Wirkung gegenüber dem luftleeren Raum. Der,
als die Bedingung des Gefälles, müsste dauernd gewahrt bleiben. In ihm treibt er
das Wasser zehn Meter hoch, und aus dieser Höhe muss ich es entfernen, ohne dass
ich den luftleeren Raum, der sein Heraufsteigen ermöglicht, vernichte. Die Frage
ist's. Zwei Monate nur! -
    Als ich heute Morgen mein Bad in dem Moorbach nahm, dort wo er durch das
Tannendickicht über gelbroten eisenhaltigen Sandboden rollt, formte ich weiter
an meiner Frage, während das eiskalte Wasser meine Knie umspülte und ich
gemächlich das Eis zerschlug, das wie fein durchbrochene Spitzenmanschetten von
den Ufern über das Wasser gewachsen war.
    Das ist keine Phantasterei und kein perpetuum mobile, das stetig die Kraft
aus sich erneut, das will die gegebene Kraft des Luftdrucks wirksam werden
lassen. Wie Wärme nur wirksame Wärme ist bezogen auf einen weniger warmen
Körper, so der Druck der Luft nur bezogen auf einen Raum von geringerem Druck.
Dieser muss bewahrt bleiben und trotzdem das Wasser, dessen neun Meter starkes
Gefälle ich haben will, aus ihm in dieser Höhe entfernt werden.
    Und das muss geschehen durch seine eigene Kraft, und diese Kraft muss größer
sein als der Druck der Luft, der es sonst wieder in das Vakuum zurücktriebe.
    In einem luftleeren neun Meter hohen Rohr, das in seinem oberen Ende zweimal
umgebogen ist, steigt das Wasser hoch und fällt darauf in einen Behälter, der
sich an dem nach unten gebogenen Ende des Steigrohres befindet: aus diesem
Behälter muss ich es entfernen, wozu ich entweder die bewegte Kraft des aus dem
Rohrende fallenden Wassers benutze oder den Druck der gesamten oder eines Teiles
der gesamten schon in dem Behälter ruhenden Wassermasse.
    Da begann es zu schneien und ich wanderte durch den stöbernden Schnee,
stundenlang; durch den Wald, durch das schilfbraune Moor, über die Heidehügel
und gleich einem alten Zaubermeister zeichnete ich in den Schnee, dort wo er
glatt und eben lag wie eine Tafel, Röhren und Würfel und Schaufelräder und
Kugelventile.
