 in seine zu kleine
Seele, die wurde nicht mit ihnen fertig und so richteten jene sie zu Grunde. Die
Schöpfer der Kultur sind das Wissen und Empfinden - zuweilen einer kleinen
abgesonderten Kaste - zumeist aber der großen Masse; aus ihnen, aus der
erdgeborenen Masse, dem Erzeugnis von Temperatur und Barometerstand und der
geologischen Eigenart ihres Landes, kristallisiert sich die Kultur heraus. Als
ob der epileptische Phantast von den trockenen Hochebenen Arabiens der Schöpfer
der sizilianischen Kultur unter dem großen Hohenstaufen gewesen wäre! Als ob in
dieser Kultur nur ein Hauch von seiner finsteren Eigenart steckte! - Und stehen
die Richtlinien einer neuen Kultur einmal fest und geht sie dann in ihnen ihren
Lauf, glauben Sie, dass jene produktiven Naturen ihn vielleicht fördern und
beschleunigen oder ihn gar in abzweigende Wege leiten könnten? Dass sie dann doch
die Marksteine und Förderer und Beschleuniger ihres Siegeslaufes wäre? Sie
stehen abseits und nehmen von ihm auf, soweit sie ihn sehen und soviel sie von
ihm fassen können und traben dann schreiend wie die Gassenjungen neben ihm her:
Seht! Seht! Sie kommt, sie kommt, unsere neue Kultur! In einsamen Nächten haben
wir sie mit Hämmern geschmiedet, und unser Blut, unser blutiges Blut war es, das
wir gehämmert haben! Seht! Seht! sie kommt! Aber
»Kennt er die Zeit, so kenn ich seine Laune.
Was soll der Krieg mit solchen Schellennarren!«
Und das will sagen: was der da vom ehernen Gang der Zeit mit seinem
Sperlingskopf zu fassen vermag, das muss er wieder von sich geben unter seinem
Narrenschellengeklimper. Das ist der Ausdruckswert, das ist die Leistung, das
ist der produktive Mann, das ist der Poet - eine Narrenschelle! Und das hat
Shakespeare gesagt, und der weiß, was er sagt, besonders wenn Brutus spricht. -
Aber Sie sollen mich nicht ganz zu Ihrem Pöbel zählen, ich bin auch zuweilen so
eitel und angenehm einseitig, eine prinzipielle Schranke aufzurichten. Soll ich
sie Ihnen verraten? - Zum Pöbel gehört für mich der, der sich nicht selbst
Gegenstand werden kann, der nicht zu trennen weiß zwischen seinen Wünschen und
Begierden und der Idee von sich; der sich nicht jeden Tag einmal bewusst wird des
ungeheuren Rätsels, in dem er wie der Nebeltropfen im Raum hängt. Alles
Unbewusste und Triebhafte ist pöbelhaft - nun wächst schon der Pöbel wie Sand am
Meer und eine große Zahl Ihrer Produktiven rollt mit in den trägen Dünen. Und
jetzt halte ich nur noch die des Ehrentitels der Freien und Vornehmen würdig,
die das Herz voll Staunens und Fragens, doch sorglos und heiter über das große
Rätsel dahin wandern, wie über jungem elastischem Eis, unter dem das Grauen, das
Dunkel und der Tod lauert.
