, die ihr schaffen müsst aus der gleichen
Notwendigkeit, die die Drüse die Sekretion vollziehen heißt, nicht zu
selbsterrlich funkelnden Sternen auf, die hoch und unberührt über dem trüben
Strom des Kausalitätsgesetzes schimmern! - Übrigens möchte ich wissen, wie Sie
die Frau werten wollen! Sie fahren hier einfach fest; denn die Wertung der Frau
nach der erziehenden und in ihren Söhnen ihre Eigenart ausprägenden Mutter
können Sie nicht durchführen, und so bleibt Ihnen nichts übrig als die
Absurdität, das einzig wirklich fertige und erfreuliche, das Meisterstück der
Schöpfung zum Pöbel zu rechnen, denn eine Frau, die ihre letzte Tiefe und ihre
ganze Fülle außer sich in Begriffen darstellen wollte, wäre nichts als der
Gegenstand eines unauslöschlichen Gelächters.
    Es ist möglich, dass Ihrer Eigenart diese Auffassung angemessen ist, sollte
sie aber auch allgemeine Berechtigung haben, so werden Sie mir doch den Wert
einer ausgeprägten Kultur gegenüber der unfertigen Formlosigkeit und bloßen
Zivilisation zugeben. Und wer sind die Schöpfer der Kultur? Die sich in ihren
Werken ausdrückenden Männer der Tat, Kunst und Philosophie. Darin muss ihr Wert
liegen gegenüber den Massen, die ihre Prägung annehmen.
    Wenn der Begriff der Kultur in der Durchdringung und Beseelung des Wissens
und der Erzeugnisse der Zivilisation mit einer bestimmten Weltanschauung, Sitte
und Kunst - oder anders gesagt, in einer gewissen festen Gleichförmigkeit aller
Lebensäusserungen und Erzeugnisse einer Zeitepoche und in einem sie alle
durchdringenden eigenartigen Zug liegt, der mit einer Art souveräner
Selbsterrlichkeit auftritt, so ist es allerdings gerade dieses Zuges wegen,
dieses gewissermaßen Persönlichen einer ganzen Epoche, verlockend, eine bestimme
Kultur als das Werk einer bestimmten, oder mehrerer gleichgesinnten
Persönlichkeiten aufzufassen. Wäre dem so, dann stünde der überragende Wert
dieser Männer und ihrer Leistungen fest, ganz gleichgültig, welcher selbstische
Zweck diese Leistungen geboren hat. Aber dem ist eben nicht so. Jene »großen
Männer« sind nicht die Schöpfer, sondern die glänzenden Vorläufer einer neuen
Kultur. Sie nehmen die da und dort aus der verwesenden alten aufspriessenden
jungen und darum frischesten und gehaltreichsten Keime der neu sich bildenden
Epoche in sich auf und scheiden das ihnen so Wesensfremde in glänzender
Darstellung aus; während jene Erstlinge außer ihnen langsam und verborgen in und
mit der großen Masse weiter wachsen und sie mit der Zeit durchdrungen haben, ehe
sie es selbst gemerkt hat; bis jetzt sind alle größeren Kulturen unbewusst aus
der Masse, aus dem Stamm der Nation hervor gewachsen und das bewusste und
beschleunigte Aufbauen einer neuen Kultur ist darum immer ein sehr missliches
Unternehmen. - - Glauben Sie wirklich, dass Jesus das Christentum geschaffen hat,
dass das Christentum das Extrakt seines Lebens darstellte? Allerorten tauchten
damals jene Ideen auf und die Zeit schuf jene nach ihrem ersten - Opfer genannte
Weltanschauung und Lebenspraxis. Denn jene Ideen drangen
