 Wirtes dar. Jede seiner Zellen drückt in die winzigen
Chromosomen ihre Einzigartigkeit ab, und doch ist es dem Ganzen fremd und drängt
mit heißer Notwendigkeit aus ihm heraus. Und wie die Begattung nicht erfolgt
ihrer selbst wegen, nicht um der neuen Generation willen, nicht um die
Persönlichkeit des Liebenden im Kind außer sich darzustellen, sondern nur um
fremde quälende Elemente auszustossen - so ist es mit dem Kunstwerk. Das ist die
Notwendigkeit der Zeugung gereinigt von jeder mystischen Verdeckung und das ist
die Notwendigkeit auch des künstlerischen Schaffens gereinigt von jeder
mystischen Sonderstellung. - Als ob das Leben seine Rechtfertigung finde nur in
der - objektiven - Hervorbringung einer Leistung! in dem unvollkommenen
Abklatsch von sich selbst! Die Rechtfertigung des Lebens, wenn wir dieses
hochmütigste Wort, das je geprägt worden ist, überhaupt in den Mund nehmen
wollen, besteht in seiner harmonischen Befriedigung, und weiter nichts. Und die
sehe ich darin, dass jedes Ereignis, jedes Glück und jedes Leid und jedes von
außen herantretende Problem, restlos und harmonisch im Organismus sich einfügt,
sich auflöst, ohne sich in ihm zu schwärenden Herden anzusammeln. Wie bei den
produktiven Naturen, in denen sich eine Empfindungs- oder Gedankensumme
ansammelt, bis sie zur unerträglichen Qual geworden als wesensfremde Masse
ausgeschieden wird in der objektiven Darstellung. Der starke Mensch wird mit
allem fertig, er verdaut alles, die schwächere, angekränkelte Natur ist
dyspeptisch, sie wird mit nichts fertig und - produziert. Das ist die Leistung.
Sie ist durchaus nicht der Extrakt des Lebens, sie sammelt durchaus nicht alles,
was in einem Menschen eigene Kraft war, durchaus nicht alles, was ihn persönlich
und einzig machte - sie scheidet heterogene Elemente aus und scheidet sie um so
gründlicher aus, je klarer und eindringlicher sie darstellte, wie der
Betreffende ein Leid oder Problem anfasste. Das ist das eigenartige und
persönliche eines Werkes, dass es völlig und erschöpfend die Durchtränkung, die
ein Ereignis gedanklicher oder gemütlicher Art in seinem Schöpfer annahm,
behält. Es gibt kein allgemeines Problem, jedes Problem nimmt in verschiedenen
Geistern verschiedene Gestalt an, und ich scheide es, wenn es mir wesensfremd
ist und in mir nicht aufgehen will, um so restloser aus mir aus, je reicher ich
alle seine Beziehungen zu den anderen in mir vorhandenen Gedankenkomplexen
darstellte, je tiefer ich seinen letzten Wurzeln folgte, die es versuchte in
mein Seelenleben zu schlagen, je - persönlicher ich es gestalte, je mehr -
Ausdruckswert ich ihm gebe. - Und die »Nichtskönner« sind entweder Leute mit
gutem Magen, Leute die mit allem fertig werden, ohne dass es sich zu eiternden
Massen anhäuft, oder Dickhäuter, Oberflächliche, denen jedes Leid und Problem
nur die Haut der Seele zu ritzen vermag. Würde sich
