 und nun eines so geworden
ist, dass seine Abwehrhandlungen auch anderen zugute kommen können, so ist dessen
Träger für mich noch kein Aristos, er ist komplizierter und feiner organisiert,
er ist empfindlicher und - kranker als das Mittelmass, weiter nichts. Aber er ist
dadurch nicht weiser und klüger und willensstärker, oder gar wertvoller - er ist
krank, und die Anderen sind gesünder. Das ist die letzte Scheidung.
    Ich sehe, wo Sie hinaus steuern, aber ich folge Ihrer Bahn nicht, die am
Ende in eine Negation sämtlicher Werte zugunsten der »gesunden«, triebhaft
hinvegetierenden Masse ausläuft. Ich setze eine objektive Wertung und
prinzipielle Scheidung fest und zwar die nach dem »Ausdruckswert der Leistung
des Einzelnen!« »Und Ausdruckswert ist nur vorhanden, wenn der Mann das, was in
ihm steckt, aus sich heraus gestalten kann. Wer das nicht vermag, gehört -
winzige Abstufungen zugegeben - zum Pöbel.«
    Eine Leistung - für wen? frage ich. Sie wollen mich nicht glauben machen,
dass irgend eine Leistung, eine Staatsgründung, eine Parkeinrichtung, eine
Statue, ja das simpelste Liebesgedicht, um ihrer selbst willen geschaffen werde?
Um seiner selbst willen werden, ist willkürliches Werden; alle Leistungen
geschehen, weil sie notwendig so geschehen müssen. Aber ihre Notwendigkeit liegt
nicht in ihnen selbst, sie geschehen nicht notwendig um ihrer selbst willen -
hier fehlt mir der zureichende Grund! Sondern das Leben bringt sie notwendig
hervor, um sich zu erhalten. Damit fällt die mystische Sonderstellung, die Sie
ihnen geben. - Wissen Sie das: auf den Kasuarinen Madagaskars bäumt sich ein
seltsames Wesen vor Ihnen auf. Armlang, kakhifarben, mit mattgelben Binden und
palmgrünen Pusteln geziert - so sieht es aus, wenn es schläft. Gelber die Binden
und breiter, die Kakhifarbe vertieft in ein dunkles Olivengrün und durchzogen
mit hellen Netzen und gesprenkelt mit schwarzen Punkten - so sieht es aus, wenn
es wacht. Und das dunkle Olivengrün verstärkt zum Schwarz, die palmgrünen
Pusteln umgewandelt in leuchtendes Weiß und die Binden glühend im satten
Dottergelb - so sieht es aus im Zorn. Aber eine ovale weiße phantastische
Riesenscheibe mit senkrecht zum Kopf gestellten Hinterhauptslappen - wie die
aufgerichteten Ohren eines zornigen Elefanten! - bebend und zitternd am ganzen
Leibe, den Rachen weit aufgesperrt und fauchend und zischend - und nun hebt sich
diese groteske Masse Lebens auf den Hinterbeinen hoch und streckt Ihnen, den
Leib wie von Fieber geschüttelt, die Vorderbeine wie flehende Hände entgegen -
das ist das Chamaeleon melleri, wenn die Liebe es toll macht, und es geht zu
Grunde, wenn es nicht zur Begattung gelangt. Denn das Sperma ist ein dem
Organismus fremdes Element, und es stellt doch konzentriert bis ins feinste die
Eigenart seines
