-sich-Aufnehmen eine Krankheit ist. Will man aber von diesem Gift
nicht lassen, so tue man es auf eigene Gefahr und empfehle und verbreite dieses
Narcoticum nicht weiter als die höchste Manifestation des menschlichen Geistes.
Wir wissen nun, wie wir zu diesem süßen Rausch gelangen können, und damit wollen
wir es genug sein lassen. Aber - wer noch von diesem Rauschzustand zu reden
weiß, der ist noch nicht ganz berauscht. Will ich mich einmal in der »Natur«
berauschen, dann will ich das schweigende Hochmoor sehen, und keiner soll mir
von der Schönheit dieser Trunkenheit reden, ich am allerwenigsten, denn dann
fliegt mir mein - Glück davon.
    Ich begreife nicht, wie ein »Dichter« von der Pracht eines flammenden
Sommertages, von der Schönheit seiner Geliebten und der Tiefe seines Glückes
reden kann. Wer etwas glühend beschreibt, der hat es noch nicht, der ist noch
nicht ganz trunken von ihm. Ich würde den Nebel, das gramgraue Elend und die
Wintertage, die uns wie ein Katakombengewölbe einschliessen, und nur dieses
»besingen«, um - es zu überwinden. Mein ganzes Dichten dürfte nichts sein als
ein Objektivieren und Zu-überwältigenSuchen trüber Stimmungen - aber, will und
muss ich mich einmal berauschen, dann bin ich im Sommer selber Sommer, dann gehe
ich in der Schönheit meiner Geliebten und der Tiefe meines Glückes restlos auf,
dann genieße ich ein rauschendes Meer und einen glühenden Sommertag bis in die
feinsten Fasern, da bleibt gar kein Raum, sie durch Worte, die jeder Oberlehrer
in den Mund nimmt, zu profanieren.
    Wenn ihr wüsstet, wie ich mich betrinken kann!
    Was sind mir dagegen eure Reime und Rhytmen und eure klimpernden
Wortpoesien! -
    Und wo sie sonst noch als Heilerin und Trösterin gespenstern mag, da
empfehle ich an ihrer Statt die psychologische Selbstanalyse. Die lässt uns klar
über uns werden, sie zeigt uns, wohin wir gehen, und lässt uns diesen Weg, wenn
wir nicht einen anderen einschlagen wollen, schneller und konsequenter gehen.
Und alles andere, was der Tag und die Straße Poesie nennt, alle Dichterei um der
bloßen Form willen und der Zurschaustellung des eigenen Könnens, das ist
Handwerkerware, das benebelt nur und schlägt die Langeweile tot, das berauscht
ja nicht, denn es ist nicht aus dem Rausch geboren.
    Dann ist auch die Liebe, wie Sie sie pflegen, ein Rausch. Vaccinium
uliginosum, nicht wahr? Wächst in Mooren und auch an den finnischen Seen und die
Finnen brauen sich einen Rauschetrank draus. Aber weswegen suchen Sie sich zu
diesem Kult eine - Heerstraße, warum kein Hochmoor und Meer?
    Sie dürfen sie gerne eine Heerstraße nennen. Jedenfalls suche ich auch hier
wie im Moor und Meer
