 mir, leise hör ich ihr Rauschen.
    Und diese Blätter, die ich in zwei Monden schrieb, um acht böser Wochen Herr
zu werden, die werden wir am Ostersonntag, wenn sie lachend und weinend in
meinem Arm liegt, Bogen auf Bogen zu einem Scheiterhaufen aufbauen und mit ihnen
das halbe Jahr verbrennen, das über unsere Liebe fiel wie ein Spuk und Reif. Sie
sollen nicht leben bleiben, denn ich fürchte, es ist neben der Narrheit zu viel
Selbstbetrugs in ihnen; sie sind wahr, wie nur ein Ding wahr sein kann, aber nur
für den, der sie schrieb, und nur in den Stunden, in denen sie geschrieben sind.
Schon jetzt, wenn ich in ihnen blättere, kommen sie mir vor, wie eine fremde
unheimliche Welt. -
    Der Januar geht, die Tage werden schon länger und unter dem Schnee lauert
der Lenz - er kommt! er kommt!
    Und nun die Frage, die über mich entscheiden soll und die ich bisher
niederhielt, weil ich sie niederhalten musste:
    Wie ist es mit dem Rausch? Sollte die Möglichkeit, die Fragwürdigkeit der
Welt zu vergessen in interesseloser Anschauung und passivem Genießen, das ist
mein Rausch, wirklich für mich gebunden sein an das Bewusstsein, von einem
Dirnchen geliebt zu werden, von dem ich fürchten muss, dass es mich in jeder
freien Stunde betrügt?
    Sollte diese Verkettung wirklich vorhanden und notwendig oder - gar nur
möglich sein? Könnte da nicht eine Selbsttäuschung liegen, ein zufälliges
zeitliches Zusammentreffen, das ich mir kausal gedeutet habe?
    Ich will nur nach der Möglichkeit dieser Verknüpfung fragen.
    Mein Wille kommt in ihr, als in dem entgegenkommenden eindeutigen Trieb, zur
Ruh. Aber auch mein fragender suchender Geist?
    Flüchtet auch er vor dem Vieldeutigen zu ihr? Der Geist zum Trieb? Zum
Willen? Sollte er nicht vielmehr Ruhe finden in einer Formel, einem Symbol und
Bild? Und sollte sie, der unzweideutige und in seinen Äußerungen doch so
mannigfache und rätselhaft schillernde Trieb, für ihn ein Symbol sein?
    Ein Symbol für die Eindeutigkeit der vieldeutigen Welt, an deren Bunteit
und unendlichen Rätselhaftigkeit er sich nun, da er sich ihrer Eindeutigkeit
bewusst bleibt, erst erfreuen kann?
    So kann es sein.
    Ein Fehler bleibt trotzdem. Denn ich sehe keinen Grund, weswegen der Geist,
den ich - zwar nicht ohne Absicht - zum Diener des Willens gemacht habe, gerade
in demselben Gegenstand sein Symbol sehen muss, in dem sein Herr zur Ruhe kam. Er
könnte in jedem fremden Gewächs und Tier das Symbol sehen. Warum gerade in ihr?
Warum gerade in dem liebenden Weib? Warum gerade im Trieb? Warum gerade im
konzentriertesten Leben?
    Und bedarf er überhaupt des Symbols? Ist für ihn dieser
