 er ein Mündel hatte und dieses einen Prozess
führte, in dem er gegen Recht und Gerechtigkeit siegen musste, weil es ihn sonst
dem Verhöre preisgab. Mit ihm war sie zufällig zusammengestossen, als er und sie
die Zähltür des Café Klopotzig nach derselben Seite drehen wollten. Wie konnte
dieser Mensch schon mit vierzig Jahren die Gicht haben!
    Wie nüchtern waren Ganswind und Hermione gegen diese Würdenträger, von denen
der eine sein Messgewand, der andere sein Sohlleder trug. Ganswind und Hermione
waren Menschen voll einfachster Klarheit, die mit solcher Konsequenz die andern
nach einer Richtung treiben wollten und konnten. Sie handelten umgekehrt, als
die Geltung war. Darum war es richtig, dass man im Taifun schlechtweg von
Menschen sprach, diese waren fast alle Taifunkünstler. Was außerhalb sich befand
und nicht im Kreis des Taifun wirbelte, das trug kein Menschenantlitz. Es war
eine Art paradiesisches Bewusstsein und Sichfühlen, was die Taifunkinder
zusammenhielt, eine Gemeinschaft der Heiligen in der Kunst. Die übrige
Menschheit war die aus dem Garten verjagte Schar der Kopflosen und Toren, der
Mörder und Totschläger. Mit jener bekannten Heiligengemeinschaft war es nicht
identisch, und doch deckte es sich im Werte damit.
    Susanne war mit dieser Bewertung innerlich einverstanden, und doch mochte
sie sich nicht ausschließlich dem Taifun und seinen Zwecken weihen. Denn
zunächst war sie noch klar im Geiste. Auch der Taifun war eine irdische Geburt.
    Ganswind aber und Hermione taten, als ob alles, was der Taifun nicht durch
sein Ventil riss, von vorneherein todgeweiht oder menschenunwürdig wäre. Ja,
menschenwürdig war es in ironischem Sinne. Darum besudelte Ganswind alles, was
er kritisch behandelte, tief mit Dreck, so dass wirklich jegliche andere
Produktion sich vor dem Angesicht der Sonne zu schämen hatte und verkriechen
musste.
    Dies war der Umstand, warum Susanne nicht mit Enthusiasmus zum Taifun hielt.
Wahrlich, sie hatte zur Selbstgerechtigkeit und Alleinherrlichkeit keinen Grund.
Und diese Bescheidenheit hätte sie gern bei Hermione gesehen. Allein sie, sie
war stolz und hielt das Näschen stets schnippisch in die Luft.
    Als Susanne nach Hause zurückkam, war sie aufsässig und ganz mit Widerspruch
gegen die Ganswindschen geladen. Das Bild des Künstlers stand bei ihr auf dem
Diwan, und Käterchen hatte ganz unordentliche Haare; einige lange Haarsträhnen
hingen ihr wie Rattenschwänze herunter.
    Das verbesserte ihre Laune nicht. Und Käterchen erhielt das Handtäschchen
über den Kopf geschlagen, was diese zu dem Ausrufe veranlasste, »er hat ja gar
nichts mit mir gehabt, Fräulein!«
    Diese Welt, dachte Susanne, wie lumpig sie war! Und nun sollte sie noch ein
Bild für höchste Kunst erklären. War sie dazu eigentlich verpflichtet?
    Das Erzeugnis, was vor ihr stand, war zunächst natürlich nicht als Hammel
erkennbar, man konnte
