.« Damit wies sie ihn
mit gravitätischer Bewegung in die Küche und trat selbst ins Zimmer.
    »Das wäre mir sehr recht, wenn ich mich auf diese Art überzeugen könnte,«
antwortete der Mann bescheiden und trat in die Küche. Dort sah er Käterchen an
der Wasserleitung stehen. »Richtig ist es,« sprach er dann und ging kurz und
gerade auch dahin, wohin die Dame verschwunden war. Und wäre es die Toilette
gewesen! Denn es stand ja fest, dass man den frostigen Empfang nur geheuchelt
hatte und sehen wollte, welch Geistes Kind er war.
    Susanne saß mit sehr erstaunten hohen Brauen und energischen Nasenflügeln
auf dem Diwan und empfing den Mann: »Was unterstehen Sie sich, unaufgefordert
bei mir einzutreten?«
    »Zu Gnaden. Die Kunst.« Er hob dabei den Kopf aufrecht und sah Susanne fest,
etwa wie ein Steinbock, in die Augen.
    Susanne veränderte ihr Wesen ganz plötzlich. Wenn es die Kunst war, so musste
irgendwie ein Zusammenhang zwischen dem Besuch des Mannes und ihr bestehen. Sie
nickte.
    Dieses gnädige Nicken löste bei dem Mann sofort alle Register aus. Zuerst
stürzte er in die Kniee vor ihr: »Mein gnädiges Fräulein, ich werfe mich Ihnen
zu Füßen und flehe Sie an. machen Sie einen glücklichen Menschen und Künstler
aus mir. Sehen Sie darin den Ausdruck eines jahrelang gepressten unterdrückten
Menschen. Ich bin verloren, wenn Sie mir nicht helfen. Mein Werk ist da, aber
die Menschen gehen daran vorüber, sie sehen es nicht. Ihr Mädchen selbst sieht
einen Hammel für ein Landhaus an. Kommen Sie nur einmal zu mir auf die
Baustelle, dass Sie sehen. Sie! Dann ist mir geholfen. Ich sehe die hochgeformte
Schönheit der Seele aus Ihren Augen leuchten. Sie haben ein Urteil. Verdammen
Sie mich, so will ich weiter Bücklinge und Erbsen verkaufen. Sehen Sie mich aber
als Künstler an, so glaube ich Ihnen, denn dann kann ich hoffen, dass mein Werk
aus der Verachtung zur Schätzung, aus der Dunkelheit zum Licht gebracht wird ...
Oh, oh.«
    Susanne war erschüttert. Sie frug schüchtern: »Malen Sie in einem Keller?«
    »Hat das Ihr Mädchen erzählt? Dann ist sie eine ganz infame Lügnerin. Ich
sah ihr's sofort an, sie wird lügen bei dem gnädigen Fräulein, sie hat die
Absicht zu lügen.« Er schnaubte aufgeregt.
    Susanne dachte, wenn er das gesehen hat, so hat er wohl gar keinen so
miserablen irren Verstand. Aber wie war denn die ganze Geschichte zwischen ihm
und Käterchen gewesen? Käterchen hatte ihr ja kein Wort erzählt. Dass sie
einander kannten, soviel war allein gewiss. Dann fehlten dem Mann
