 für Ganswind Partei nehmen und beschwören, dass sie gefressen
wurde. Willst du?«
    »Frau Doktor, lassen Sie das Kindel kommen, wie's kommt. Nichts mehr wissen
wollen von der Kunst! Basta damit.«
    Susanne ließ sich von Käterchen unter die Arme greifen und von der Bank
hochziehen. Sie schritt mit schwerfälligem Gang ihrer Wohnung zu. Den Taifun,
das schwor sie, betrat sie nie mehr.
    Nach Schluss der Veranstaltung, die Ganswind ein reiches Millionenvermögen
einbrachte, dem Maler und Kommis a.D. Schellenhauer eine angemessene Pfründe von
tausend Mark, sah der Doktor oben in der Wohnung nach seinem Weibe. Er war
vergnügt und aufgeräumt, denn noch nie hatte der Beifall auf seinen
variationsreichen Wortschwall derart gerast wie heute.
    Susanne empfing ihn sehr gleichgültig. Sie frug nur, ob er wenigstens etwas
von dem geraubten Gelde bekommen habe.
    Der Doktor starrte verwundert auf sie: »Von dem geraubten Gelde?«
    »Von dem Gelde, das dem Publikum aus der Tasche gestohlen wurde.«
    »Nun hör einmal, du drückst dich sehr beleidigend aus. Wenn ich darum bitten
würde, so werde ich bestimmt ein Extrageschenk erhalten.«
    »Geschenk! Nun besinne dich einmal, wäre denn nicht das Ganze schrecklich
gescheitert, wenn du den Mut gehabt hättest, vor den tobenden Massen die Katze
zu bekennen?«
    »Ich wäre in Stücke zerrissen worden!«
    »Mag dich das entschuldigen!« Susanne seufzte. »Zehn Prozent Tantiemen vom
heutigen Erlös halte ich aber für deinen kleinsten Anspruch.«
    »Das wäre ja eine halbe Million! Wo denkst du hin?«
    »Ich fürchte mich vor derartigen Summen durchaus nicht, wenn ich gleich die
Art hasse, mit der das ganze Kapital erpresst wurde. Die Menschen sind allzumal
Narren!«
    »Liebe Susi, für einen Splitter vom Kreuze Christi gaben Menschen sogar ihr
ganzes Vermögen hin.«
    »Aber für einen Gipsfetzen, der ein Nichts, dieses höchste und letzte
Kunstwerk eines Schellenhauer, umrahmte, schwindelerregende Summen zu geben, das
ist doch Wahnwitz!«
    »Wahnwitz? Das sehe ich nicht ein. Schellenhauer ist ein Modernist. Und ich
erinnere dich nur an den treffenden Vers: Am Ende war Herr Jesu Christ, auf
Erden nur ein Modernist. - In gewissem Sinne ist alles ebenso Schwindel, wie
auch alles gleichzeitig höchstes Ideal sein kann.«
    »Geh hinein! Wir wollen uns an den Tisch setzen.« Susanne beherrschte sich
mit Aufbietung ihrer ganzen Nervenkraft. Ihr Gesicht verfärbte sich
schwefelgelb. Sie war kaum imstande, einen Bissen zu genießen. dabei verspürte
sie einen quälenden Hunger. Dass dieser von dem kleinen Mitmenschen herrührte,
der in ihr keimte, wusste sie nicht; sonst hätte
