
neuerdings wohnte.
    Löwe knurrte wütend: »Lassen Sie mich schlafen! Die Sache ist vollkommen
geregelt.«
    »Ja, Lieber, ahnen Sie denn nicht die furchtbare Gefahr, in welcher der
Taifun schwebt.«
    »Exmittieren Sie Bäumler!«
    »Den Doktor soll ich exmittieren? Einen anständigen Menschen, der nächstens
Familienvater wird? Nein, dazu werde ich mich nie hergeben. Der Staat wird auf
seine Seite treten.«
    Natalie klapperte vor Kälte wie ein Totengerippe. Der Ruin ihres Hauses
stand schrecklich vor ihr. Büffel sah und hörte ihr klapperndes Frieren. Er
schwitzte vor Not und Pein. Was sollte er tun? Sollte er morgen sein Haus
verschließen? so dass niemand herein konnte und die Ausstellung besuchen. Das war
die letzte und beste Idee. Er trank um viereinhalb Uhr in der Früh, daheim
angekommen, mit Natalie eine Flasche Kirschgeist, so dass sie sich versehentlich
umschlangen und in gemeinschaftlichen gleichen Träumen einschliefen. Allein es
ergab sich nichts als die gemeinsame Idee der Hauszinsen.
    Das Haus lag endlich in Ruhe. Doch die nachtleuchtenden Augen der Eule sahen
noch immer zwei Menschen in nicht schlummerfindendem Harme.
    Ossi und Hermione saßen nebeneinander unter dem Bilde des großen Müller. Der
umgekehrte Kopf des Mannes machte riesenhafte Anstrengungen, gerade auf den
Rumpf zu kommen.
    »Hast du eine Heimat?« frug Ossi.
    »Meine Eltern haben mich verstoßen.« Dazu nickte das Bild Müllers. Alt
bekannte Tatsache.
    »Vielleicht gibt es doch eine himmlische Gerechtigkeit.«
    »Wenn wir ehrenvoll untergehen, so werden wir Gnade finden.«
    »Dann gibt es neuen Aufbau.«
    »Wie würdest du neu anfangen wollen?«
    »Ich würde wieder mit Müller beginnen.«
    »Müller ist wahrhaft groß.«
    »Schellenhauer ist ein Lump. Dass er sich dazu hergab, sich auf solchen
Humbug einzulassen!«
    »Schellenhauer wird dabei gewinnen. Er wird sein Tun als Rache für die
nichtgefundene Anerkennung rechtfertigen.«
    »Und dann?«
    »Dann wird er große Anerkennung finden.«
    »Bei wem?«
    »Bei den andern, die uns verfolgen.«
    »Dann sind aber die andern dasselbe, was man uns vorwarf zu sein.«
    »In der Kunst gibt es nur Feindschaft und Glaube.«
    Bumms! Da schnappte plötzlich der pendelnde Kopf des umgekehrten Müller in
seinem Wirbel. Und als die Sonne zu dem Hinterfenster des Hofgebäudes in den
Müllersalon hereinschien, erwachten Ossi und Hermione mit starren, kalten
Gliedern. Sie erhoben sich ohne einen Gedanken und legten sich zu Bett.
    Der Sonntag der siebenunddreissigsten Ausstellung ging über den Erdball,
zunächst ohne auffällige Anzeichen.
    Aber gerade die Tage, die so unauffällig begannen, hatten dicke Enden.
    Die anständigsten unter den Hausbewohnern
