 hielt sie der
Leumund gewaltsam zusammen. Wenn sie sich wie Eins waren, so suchte sie der
Klatsch zu spalten. Dies rührt weniger von der Verschiedenheit der Menschen her
als von der Unwissenheit, wie sich die Ereignisse im Weltenall ablösen. Ganswind
allein blieb Philosoph. Er beharrte darin, dass die Ehe Anderer keinen Menschen
sonst was anginge. Er war ein gesunder Reaktionär. Der Liberalismus vertrat die
Anschauung, dass das Privatleben im modernen Staatswesen mehr und mehr auch die
Öffentlichkeit anginge. Wie falsch diese Anschauung war! Mord und Totschlag
wurden darum doch nie beseitigt. Die Einmischung der Öffentlichkeit wäre
berechtigt gewesen, wenn jeder Akt zwischen den Beiden auch zu öffentlicher
Kenntnis gelangt wäre. Ganswind hielt die Allwissenheit, die in der Kontrolle
durch die Öffentlichkeit bestand, mit Recht für ein Unglück.
    Wie unsinnig ist ein allwissender Gott. Kann doch jeder Autor schon zur
Erkenntnis durchdringen, dass alle Schöpferkraft durch das Wissen gehemmt wird.
Wenn Sokrates sein Nichtwissen bekannte, so war es weniger Bescheidenheit als
die Erkenntnis der Gottnähe, die im Unwissen ruhte. Ganswind war im persönlichen
Umgang ein sehr angenehmer Mensch. Leider aber war er ein zu großer Wisser, um
der Weltapostel zu werden, als den ihn Hermione so gern gesehen hätte.
    Wichtig und nicht gleichgültig war es für Ganswind nur, wie sich die
Bäumlersche Kunstehe zum Expressionismus stellte. Das Hinauswerfen des
expressionistischen Augenglases war wiederum eine stark feindselige Handlung
Susannes. Sie bewies fort und fort, dass sie der neuen Kunstentwicklung nicht
grün war.
    Und was für eine geniale Abstraktion von der Kurzsichtigkeit war es doch,
wenn das Übel der Augen durch das Brummen der Augenmaschine in eine Äußerung der
Stimmorgane transformiert wurde! Gerade wer die Transformation in der Kunst
nicht verstand, der sollte sich lieber aufhängen. Doch wer konnte wissen, ob
Susanne nicht Sinn und Verstand, Vernunft und allen Witz nur in vertieftem Masse
besaß, um die Welt transformieren zu können!
    Eben daher kam es ja, dass Susanne mit so verächtlichen Lippen im Taifun
umherging: weil ihre Kunst Praxis war. Bereits hatte Fredi einen Hasen gesehen,
wo Meister Reineke nur eine Katze erkannt hätte. Susanne hätte viel lieber im
alltäglichen Leben ein unklareres, phantasievolleres, abstrakteres Dasein gehabt
als in der Kunst. Gerade dass die modernen Künstler so spiesshafte Gesellen waren,
so nüchtern, so normal, - das gefiel ihr nicht. Sie glaubte schließlich an
Fredi, aber nur, weil sie ihn als ungewöhnlich blöde erkannte. Der Künstler
konnte nur das Besondere sein, wenn er sich im Leben wie im Fach als Gegensatz
zu der Herkömmlichkeit erwies. Susanne führte darüber erbitterten Streit mit
Hermione. Hermione fasste ihre Kunstlieferanten wie Tischler und Schlosser auf,
die gerne vesperten. Susanne schwärmte für solche, die Heuschrecken nicht
verschmähten
