 sie, Käterchen, sollte die Aufgabe übernehmen, dem Hausherrn endlich die
blaue Katze vorzustellen.
    Bisher war sie vor dem Doktor verborgen worden. Aber die nun aufgehende
Sonne der langen Ehe konnte natürlich keinen Schatten mehr auf dem Tierchen
lassen, denn das Versteckspiel des Lieblings wäre für die Arrangeure zu
ungemütlich gewesen.
    Das waren Susannes Stirnrunzeln. Und dem lächelnden Doktor nahte vielleicht
die große Katastrophe seines Lebens.
    Während die »Ideale« des Taifuns ihrer höchsten Erfüllung zubrausten, mit
dem Aufwand aller Blasekraft seiner Windventile, drohte dem Pol der Sturz durch
ein - Katzenhaar.
    Als Kind hatte Olsamen, der Dichter, oft geträumt von Riesenzahlen und
Massen und einem plötzlichen Zusammenschrumpfen. Dieser Traumzustand hatte ihn
allemal so in Schweiß getrieben, dass er nach Atem rang wie in einem Todeskampf.
Dann schrie er jedesmal nach seiner Mutter, und während er erwachte, stand sie
an seinem Bette, tröstete ihn und führte ihn in die Wirklichkeit zurück.
    Diesem schrecklichen Traumzustand vergleichbar war das ganze Wesen des
Taifun: nichts und doch alles.
    Der Doktor hatte ehemals in Ibsens »Brand« Regie geführt. Sein Streben war
gewesen, um das »alles oder nichts« dieses Dramas die Bühne zu bauen. Aber er
war nie zu Heil damit gekommen. Er wusste, es war etwas falsch in diesen Worten.
Nur ahnte er nicht was. Vielleicht brachte die nächste Sekunde die Klarheit. Das
große Dichterwort Olsamens »alles und nichts« hörte er beim Empfangsabend zum
erstenmal. Der Dichter las eine kurze Episode aus seiner Komödie, »Punkt«
betitelt.
    Die Gestaltung dieser neuesten dramatischen Erfindung sollte wahrscheinlich
die Eröffnung der Taifunbühne werden. Es galt nicht Ibsen, sondern Olsamen. Wie
wichtig war doch der Unterschied zwischen »und« und »oder«.
    Die Welt und ihre ganze Wirklichkeit war nur einer gespannten Seifenblase
vergleichbar, die in Ewigkeit nicht platzte, wohl aber durch einen kleinen Stich
verletzt springen konnte, dass nichts übrigblieb, - höchstens Unorganisches.
    Die sichtbare Welt war das Leben, welche der Geist in Spannung hielt. Der
Geist hauchte darin wie der heiße Luftstrom des Seifenbläsers. Hörte der Hauch
auf, so kam der zuckende Riss.
    Ganswind und alle Anwesenden waren von dem Stoffe und seiner Behandlung ganz
hingerissen. Olsamen war endlich der gesuchte größte Dichter der Welt, denn »er«
hatte erkannt.
    Der Doktor ahnte nicht, dass wirklich solch ein Nadelstich in die Seifenblase
auch Tatsache werden konnte. Im allgemeinen blies Gott in die Seife; und weil
sein Geist ewig war, so war keine Gefahr, dass der schöne Ball, in dem Zitronen
glühten und Schornsteine rauchten, zersprang. Nun aber stellte doch für jedes
Farbenfünkchen ein kleines Differential den Antrieb dar, diese Differentiale
konnten eliminiert und tatsächlich innerhalb des
