
Gebärde zu den Anwesenden folgte der Polizeirat seiner Frau. Das mitfühlende
Auge des anwesenden Taifundichters Olsamen verstand wohl die künftige Naive oder
tragische Iphigenie, aber zur Besinnung über sich selbst war weder Entschluss
noch Wille vorhanden. Ein Hauptprogrammpunkt des Taifun war die gänzliche
Traumhaftigkeit jeder menschlichen Handlung.
    Der Konflikt mit den Gesetzen wurde verhütet, indem man die Gemeinschaft der
Heiligen ständig prüfte. Das geschah so leicht: Ganswind durfte einem Mitglied
nur im Vorbeigehen auf die Zehen treten. Wie es »Au« schrie, daraus zog Hermione
die Weissagungen und Schlüsse. Olsamen war ein gefährlicher Mensch, er hatte
Erfolg in allen Lagern. Weil man ihn vom Taifun nicht mehr abschütteln konnte,
ohne sich selbst den Garaus zu machen, darum riss man ihn durch die Verkündigung
seiner Überherrschaft über alle Lebendigen und Schaffenden mit einem geschwinden
Propagandastoss in den höchsten Taifunhimmel, wo er im Zenit als Polarstern
festgenagelt wurde. Das bedeutete eine Stillegung ohne Schädigung seines Ruhmes.
Natürlich der Lebensgenuss, auf den Olsamen spekuliert hatte, blieb ihm dadurch
auf alle Ewigkeit versagt.
    Die Empfangsgesellschaft des Ehepaares bildeten acht Menschen, denn Olsamen
hatte noch eine Frau, und der Hauswirt büffelte als ein Hauptstück heute herum,
denn er hatte die Zukunft des Doktors finanziert, wie er auch die ganze Wohnung
mit Teppichen hatte belegen lassen. Verschwenderischer als er konnte man nicht
sein; für die Taifunisten schwärmte er mit Herz und Nieren, wobei er ganz
unabsichtlich verdiente.
    Der Doktor befand sich in einer glanzvollen Stimmung. Sein erstrebtes
Lebensziel hielt er für erreicht: sorgenfreie Existenz, Ruhm und unumstössliches
Glück. Der höchste Himmelspunkt, der Knopf der Achse, wie sollte man an ihm auch
rütteln können! Wenn es jetzt wieder zum Sturz kam, so fiel das ganze Weltall
mit ihm ein.
    Seine Äuglein schimmerten selig durch den Kneifer.
    Susanne dagegen wurde, je tiefer es in die Nacht hineinging, immer ernster.
Es bildeten sich Runzeln auf ihrem Gesicht, als ob die Rosenschminke wie
geschmolzenes Wachs von ihren Wangen tropfte.
    Ihre Sorgen teilte eine Treppe höher Käterchen. Sie war während der
Abwesenheit der Herrschaften in die tollste Verzweiflung geraten, sie hatte kaum
gewusst, wie sie die Peinigungen ihres Geschlechts die paar Wochen ertragen
sollte. Sich zu beruhigen, hatte sie die ausgesuchtesten Experimente gefunden.
Schellenhauer hatte ihr dazu noch lockende Geschenke mit Holzschnitzereien
gemacht. Und dieser faunhafte Kommis hatte nie genug, seinen eigenen Nerv zu
kitzeln. In der Afrikaausstellung hatte er seine Phantasie an den mit Messern
gespickten Holzgöttern in diesen Tagen zu der Erkenntnis geläutert, dass die
Empfindungsgabe nur durch Eindringen in den menschlichen Tierzustand zu stacheln
war. Er hatte Käterchen zu einem demoralisierten Wrack geschliffen. Und nun
stand sie in der Erwartung Susannes allein. Auf dem Bette der Herrin schlief
Kätzi.
    Und
