. Hermione kraulte an der kleinen
Blutschmarre von Susannes Wange. Der Doktor lächelte verlegen. Dass er kein
Landhaus geheiratet hatte, verschwiegen beide aber sorgfältig. Man ließ das
Landhaus besser in der Phantasie der Freunde aufgerichtet und erzählte von
seinem köstlichen Hausfrieden, man galt dadurch doch noch was. Susanne, so innig
sie mit Hermione stand, sprach auch mit ihr nie von Tatsächlichem. Alle
Konversation, die sie für den Taifun trieb, bewegte sich in Anknüpfungen an
Stoffe der Phantasie. Ossi wusste das wohl, aber er ließ die Freundin, ohne es
auch nur einmal zu rügen oder nur leise auszusprechen, gewähren, denn diese
Lügenwahrheiten stimmten ausgezeichnet zu den Problemen des Futurismus und
Dadaismus. Die Kunst brauchte keine Realitäten zu ihrer Existenz außer
Farbenfabrikaten, welche in den großen chemischen Fabriken noch immer reichlich,
ohne Kriegseinschränkung, hergestellt wurden.
    Nur von einem sprach sie als einer Wirklichkeit, vom Bauern Rambiet, dass er
Kätzi so ausgezeichnet besorgt habe. Dies aber flüsterte sie Hermione leise ins
Ohr. Hermione lachte darüber und streifte mit ihren schillernden blauen
Nordlichtern den Doktor, dem es einen Stich gab. Es gab also noch ein Geheimnis
zwischen ihm und seiner Gattin. Er kriegte schlaffe Bäckchen und bemühte sich,
den gleichgültigen Knaben zu posieren.
    In den wenigen Tagen musste sich eine große Umwälzung im Taifun geboren
haben, denn die Frau Polizeirat, die gute Klotilde, kam mit ganz freien
Gebärden und wagsamerem Umsichblicken in den Salon, die Wiederkehr mitzufeiern.
Sie sollte zur Schauspielerin umgeformt werden! Deshalb war auch die Träne auf
die letzte Ansichtskarte geheuchelt worden, weil der Doktor brennend nötig da
sein musste, um die Ausbildung der Eleven und Elevinnen in die Hand zu nehmen.
    Das waren die ersten Anfänge der Taifunbühne, die ins Leben wachsen sollte,
als krönendes Ende oder als endliches Ziel. Die Taifunbühne sollte endlich den
inneren Menschen auf die Bühne bringen. Dazu waren bereits Dramaturgen und
Dichter scharenweise geködert worden. Dies stützte gewaltig, denn wo es sich um
neue Bühnen handelt, da stürzen die Menschen mit Geist und Geld scharenweise
daher. So kalkulierte Ganswind sehr richtig. Ob es nun davon kam, dass die große
Menschheit eigentlich in der gesellschaftlichen Geltung nach Emanzipation
strebte, oder dass sich die huldigenden Kreise den Anschein geben konnten, als
lebten sie nicht nach Konvention, das blieb im Effekt gleichgültig. Ganz klar
war, dass deswegen von vornherein derjenige von der Bühne auszuschliessen war, der
sie allein innerlich verkörperte, denn das Bühnenspiel war nur möglich, wenn
sich die unfähigen Kräfte balgten um Direktion und Publikum, mit Einschluss der
Dichter.
    Der Doktor reichte der Frau Rat erstaunt die Hand. Musste er sie auf diese
Weise an sich fesseln, die Schülerin an den Lehrer?! Mit leichthin ausliefernder
